Klebstoffe im Modellbau

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Hans-Peter Nast

Klebstoffe im Modellbau

Beitrag von Hans-Peter Nast »

Hi Fans.
Heute möchte ich Euch mal etwas über Klebstoffe und deren Verwendung im Modellbau berichten.

Hier auf meinem Basteltisch finden sich diverse verschiedene Klebstoffe und ich werde Euch erklären, warum das so ist.
Was haben wir hier alles...
UHU-Plast mit Kanüle
UHU-Plast Tube
UHU-Sekundenkleber, dünnflüssig
UHU-Sekundenkleber, Gel
UHU-Alleskleber
UHU-Plus Endfest 300
UHU-Hart
Loctite 648
Pattex Transparent
Pattex Classic
Pattex Stabilit Express

11 Sorten Kleber, sind die wirklich notwendig?!
Nun, um die Antwort vorweg zu nehmen, bei meinem breiten Aufgaben-Spektrum schon!

Aber fangen wir die Liste von oben an.
UHU-Plast mit Kanüle.
Das könnte natürlich auch jeder gut.

@ Rolf:
Ende Mai haben wir nicht das AHN-Treffen in Erfurt, sondern "Kleine Strassenbahn – ganz gross".

Viele Grüße
Werner c1746ce9b0e80ff0c556f1df84a66f7332luv5wmK

Gerhard Brose
Beiträge: 43
Registriert: Mo 9. Jul 2007, 21:57
Wohnort: Stuttgart

Pattex Classic

Beitrag von Gerhard Brose »

Hallo Hans-Peter,

schöne Übersicht, die Du da erstellt hast. Vielen Dank dafür.

Wenn der Pattex Classic wirklich Classic ist, dann gelten wohl auch meine Erfahrungen von früher. Aber möglicherweise und hoffentlich ist auch daran gearbeitet worden.

Wir haben früher immer Risse in Zeltbahnen durch Aufkleben eines zweiten Zeltbahnstücks mit Pattex (damals noch ohne "Classic") repariert. Nach einigen Jahren hat sich das dann aber doch aufgelöst. Ob das also wirklich so dauerhaft ist, halte ich deshalb für nicht so ganz sicher.
Viele Grüße,

Gerhard

Hans-Peter Nast

Beitrag von Hans-Peter Nast »

Hallo Gerhard.

Danke für die Blumen... :oops: :lol:

Das ist und bleibt ein altes Problem bei Pattex, das Zeug ist halt nicht wetterfest. :evil:
Wenn man eine Pattex-Verklebung über längere Zeit der Feuchtigkeit oder auch einem Ölfilm aussetzt, dann hat sich das erledigt mit kleben.
Das gilt nebenbei für etwa 98% aller Alleskleber und Klebebänder. :shock:

Generell gilt bei a l l e n Verklebungen, die Klebestellen müssen trocken und fettfrei sein. :!:

:idea: Das gilt insbesondere, wenn man Räder auf Achsen fixieren will, da reicht es schon, wenn man einmal die Achse anfasst und es hält nicht richtig. Deshalb entfette ich die Achsen und die Bohrung im Rad vorher mit dem Reiniger 601 von Kontakt Chemie, den gibt es bei Conrad oder im gut sortierten Elektronikladen. Dieser Reiniger hat den Vorteil. dass er Kunststoffe nicht angreift, aber, sogar verharztes, Fett löst.
:!: Allerdings ist bei manchen Farben und bei Resin Vorsicht geboten!
Also erst vorsichtig, am besten mit einem Q-Tip, ausprobieren! :wink:

Gerdo
Beiträge: 69
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Beitrag von Gerdo »

Moin Hans Peter,
besten Dank für die aufschlußreiche Zusammenstellung. Bin seit 1953 bei der Modellbahnerei, habe mit Klebern immer meine Probleme!!!Daher möglichst immer in
MS oder NS gearbeitet, der guten Löterei wegen!!! Das war immer mein Feld. Aber Kunststoffe etc. hat wohl noch keener jelötet jekricht!!
Aber dieses guten Überblicks wegen,wird`s bei mir wohl in der Richtung mal besser werden
Mit Grüßen aus Ostfriesland Utz

Werner Jurkowski

Beitrag von Werner Jurkowski »

Hallo Hans-Peter,

Deine Kleberliste ist super informativ, ich denke, die werden wir hier ebenfalls dauerhaft bewahren.

Zum Verkleben der Räder auf den Achsen:
Bei den Loctite Schraubensicherungsklebern (bei den Dreien, die ich bei Conrad gefunden habe) steht in der Beschreibung immer, "nicht für Kunststoff geeignet". Mit welchem Kleber sicherst Du also isolierte Räder ?

Viele Grüße
Werner

Hans-Peter Nast

Beitrag von Hans-Peter Nast »

Hallo Werner.

Das hatte ich mir schon gedacht, dass das ein Thema für den FAQ-Bereich ist. :oops: :lol:
Wenn man mal so durch die Beiträge klickt, ist es doch manchmal erstaunlich, welch, eigentlich alltägliche, Dinge hier gefragt werden. :shock: :wink:

:roll: Somit sehe ich es als eine Aufgabe, nicht nur für mich allein, sondern für alle :!: , die ihre Erfahrungen gemacht haben, diese auch an diejenigen weiterzugeben, die noch nicht auf einen entsprechenden Erfahrungsschatz zurückgreifen können. :lol:
:idea: Hier sind wir langjährigen Modellbauer an der Reihe, aus den vielen jungen "Bastlern" auch "Modellbauer" zu machen, in dem wir sie an unseren Erfahrungen teilhaben lassen und ihnen zeigen, wie man etwas besser machen kann. :wink:



Zum Thema.
:twisted: Beim Loctite 648 steht das nicht drauf (zumindest nicht auf der Flasche) und bisher habe ich auch bei losen Isolierbuchsen oder beim Verkleben von Radreifen auf Kunststoff-Radscheiben in Spur Null keine Reklamationen gehabt.
Die mit Loctite 648 verklebten Isolierbuchsen bei unseren Halling- und Hamann-Antrieben haben trotz teilweise erheblicher Laufleistung keinen Anlass zur Nachbesserung gegeben. :lol:

Grundsätzlich hast Du hier aber mal wieder ein sehr heikles Thema angesprochen... :wink:

:!: Beim verkleben von Isolierbuchsen ist die Haltbarkeit natürlich abhängig von der Verklebefähigkeit des verwendeten Kunststoffes.
:idea: Allerdings ergibt sich auch bei Kunststoffen, die "offiziell" nicht klebbar sind das Phänomen, dass das Rad trotzdem fester auf der Achse sitzt als vorher, da der Kleber fest an der Achse haftet und die, wenn auch dünne, ausgehärtete Kleberschicht die Buchse sozusagen "festkeilt".
Also quasi eine Buchse in der Buchse bildet. :D
:idea: Man kann das noch forcieren, indem man die Achse mit einer Diamantfeile etwas anrauht und eine kleine Reibahle vorsichtig bis zum festsitzen kurz in die Buchse drückt, damit der Kleber mehr "Angriffsfläche" erhält.

... aber Du weisst ja, ein guter Handwerker lässt sich immer etwas einfallen... :wink: :lol:

Werner Jurkowski

Beitrag von Werner Jurkowski »

Hallo Hans-Peter,

vielen Dank für die Info, dann werde ich mal nach Loctite 648 suchen. Du weißt ja, nach "ganz fest" kommt manchmal "ganz lose", da will ich dann mit dem Kleber keine Pleite erleben. Den Trick mit dem Aufrauhen und der Reibahle habe ich übrigens auch schon angewendet, nur habe ich Sekundenkleber verwendet (noch hält er).
Hans-Peter Nast hat geschrieben:
:idea: Hier sind wir langjährigen Modellbauer an der Reihe, aus den vielen jungen "Bastlern" auch "Modellbauer" zu machen, in dem wir sie an unseren Erfahrungen teilhaben lassen und ihnen zeigen, wie man etwas besser machen kann. :wink: :lol:
Das sehe ich genauso, muß aber auch anerkennen, daß uns "alten Säcken" schon einige wesentlich jüngere Bastler "Konkurrenz" machen, was ich einfach super finde :D . Hier im Forum kommen eben viele gute Ideen unter einen Hut.

Viele Grüße
Werner

Gerhard Brose
Beiträge: 43
Registriert: Mo 9. Jul 2007, 21:57
Wohnort: Stuttgart

Beitrag von Gerhard Brose »

Hallo Hans-Peter,

ja, oft ist es besonders wichtig, auch das Verhalten in Grenzbereichen zu kennen, z.B. Feuchtigkeit bei Pattex. Das von mir oben beschriebene Langzeitverhalten von Pattex tritt tatsächlich in trockenen Räumen nicht auf. So habe ich viele Puzzles in der Wohnung hängen, die vor etwa 30 Jahren mit Pattex aufgezogen wurden (erst das Puzzle auf Karton, dann der Karton auf eine Spanholzplatte). Derart großflächige Klebungen verlangen ja, daß man die ganze Fläche (zweimal) mit Klebstoff bestreicht und daß am Ende dieser Prozedur der Kleber noch wirkt. Pattex ist dann zwar, wie wohl die meisten Kleber, am Ende der Prozedur eingetrocknet, aber bei Pattex muß das ja so sein.

Mich wundert es aber, daß Du hierfür auch Kleinteile, wie Spiegel als Beispiel nennst. Ich dachte, daß Pattex dadurch wirkt, daß nach dem In-Verbindung-Bringen nochmals kräftiger Druck ausgeübt wird, bei dem dann Mikrokapseln aufplatzen, deren Inhalt dann erst die eigentliche Verbindung herstellen. Wenn man solche Kleinteile wirklich kräftig andrückt, muß man doch damit rechnen, daß sie beschädigt werden.
Viele Grüße,

Gerhard

Hans-Peter Nast

Beitrag von Hans-Peter Nast »

Hallo Gerhard.

Manchmal muss man die Hersteller-Vorgaben schlicht ignorieren, um zum richtigen Ergebnis zu kommen. :D

So auch bei der Montage von Metallspiegeln an Kunststoffmodellen.

:idea: Der Witz dabei ist, ein möglichst kleines Tröpfchen Pattex an den Zapfen zu bekommen, der dann in die Bohrung an der Seitenwand eingesteckt und, noch flüssig, verklebt wird.
Da das Pattex bekanntlich gummiartig aushärtet, ist die Verklebung recht dauerhaft und haltbarer als mit Sekundenkleber.

Falls Du gedacht haben solltest, ich würde solche Kleinteile "stumpf", also ohne "Befestigungszapfen" an die Karosserie kleben, bist du im Irrtum. :wink: :lol:

:!: Das hat eine ganz einfache Ursache.
Die Haltbarkeit einer Klebestelle steht im unmittelbaren Zusammenhang mit der Größe der Klebefläche.
Dabei ist es völlig egal, um welchen Klebstoff und welches Material es sich handelt.

:!: Je größer die Klebefläche ist, desto besser hält die Verklebung.
Deshalb ist es ja auch so schwierig dünne Stege oder Stäbe dauerhaft zu verkleben, da die Klebeflächen nicht groß genug für eine dauerhafte Verklebung sind.
Bei solchen Mini-Klebestellen (sofern sie noch etwa 0,8mm Durchmesser haben) benutze ich folgenden Trick. :wink:
:idea: Mit einem 0,3mm Bohrer wird jeweils ein Loch in die Klebeflächen gebohrt (so tief wie möglich), dann wird ein Stüch 0,25 oder 0,3mm Draht in die Bohrung der einen Seite eingeklebt und das wird dann in die Bohrung auf der anderen Seite eingesteckt und verklebt.
:idea: Dadurch erhalte ich zum Einen eine erheblich größere Klebefläche, weil die Bohrung und der Draht mit dazu gerechnet werden können. Zum Zweiten bildet der Draht eine Armierung innerhalb der Klebestelle, die dafür sorgt, dass das Material an dieser Stelle nicht wieder brechen wird.

Ähnlich ist es auch bei solchen Kleinteilen, wie Spiegeln, Peilstangen bei Oldtimer-Lkws oder Scheibenwischern. :wink:
Hersteller wie Weinert oder Spieth (und andere) tragen dem Rechnung, in dem sie "Montagezapfen" an solchen Bauteilen angebracht haben, die dann in Bohrungen in der Karosserie eingesteckt und verklebt werden.
Würden sie das nicht machen, wären die Bauteile beim nächsten Nieser weg. :shock: :lol:

Gerhard Brose
Beiträge: 43
Registriert: Mo 9. Jul 2007, 21:57
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Beitrag von Gerhard Brose »

Hallo Hans-Peter,

spätestens seit ich einmal mir beinahe die Finger zusammengeklebt habe, mag ich den Umgang mit Sekundenkleber nicht. Und nachdem erst kürzlich hier erwähnt wurde, daß sich solche Klebestellen langfristig in Kristalle umwandeln, die dann bröseln könnten, suche ich erst recht nach Alternativen, vor allem für solche Kleinteile.

Die erwähnte Möglichkeit, Pattex einfach mit unzerquetschten Mikrokapseln verwenden zu können, finde ich deshalb ganz wertvoll. Allerdings, wie steht es da mit dem Abschleifen der innen überstehenden Zapfen? Ist das dabei noch möglich?
Viele Grüße,

Gerhard

Hans-Peter Nast

Beitrag von Hans-Peter Nast »

Hallo Gerhard.
Das ist eine Frage der Wandstärke... :lol:
:idea: Die meisten Kunststoffmodelle haben eine Wandstärke von etwa 1mm.
Die Montagezapfen, die ich erwähnte sind in etwa 0,75mm-1,0mm je nach Hersteller, bei geätzten Bauteilen. Gegossene Bauteile können durchaus längere Zapfen haben.
Man kann die Zapfen innen entweder abkneifen, oder mit einem Kugelfräser egalisieren. Der möglicherweise innen ausgetretene Klebstoff wird dabei "fusseln" bilden, die noch mit dünnen Fäden mit dem Kleber in der Bohrung verbunden sind. diese Reste lassen sich problemlos mit einem scharfen Bastelmesser entfernen. Das beeinträchtigt die Haltbarkeit nicht im geringsten. :D
Weniger Arbeit macht es, die Zapfen vor der Montage soweit zu kürzen, dass eine Nacharbeit nicht notwendig ist. :wink:
Bei Metallmodellen mit geringeren Wandstärken besteht meist die Möglichkeit das Bauteil zu verlöten. Wenn nicht, kann man das überstehende Ende (wenn es denn lang genug ist) umbiegen und ggf. mit 2-Komponenten-Kleber sicher verkleben. :D

Ingbert
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Beitrag von Ingbert »

Beim Einsatz von Sekundenkleber gibt es nach meinen Erfahrungen noch einen praktischen Punkt zu beachten: die Klebestelle härtet fest und unbeweglich aus. Ein mechanischer Schlag kann da schon mal die ganze Klebung wieder aufgehen lassen. Das habe ich sogar schon bei einer Flächenverklebung von über 1 cm² im Fahrwerksbereich erlebt. Solch mechanisch beanspruchte kritische Klebestellen versuche ich seitdem eher mit anderen Klebern zu realisieren.

Und das erwähnte "Bröseln" kann ich auch bestätigen.

MfG,
Ingbert Neumeister

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