betriebssichere Radien

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Bastler

betriebssichere Radien

Beitrag von Bastler »

Hallo,

gibt es praktische Erfahrungen, bis zu welchen Radien ein betriebssicherer Betrieb möglich ist?
->PMT Fahrwerke für Gotha
->Roco Düwag Gelenkwagen
->H&P Tatras und Hecht
Ich denke da an eine modellmäßige Umsetzung dieser Kurve ...

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Manfred A.
Beiträge: 332
Registriert: Do 30. Dez 2004, 11:13
Wohnort: Wien

Re: betriebssichere Radien

Beitrag von Manfred A. »

Bastler hat geschrieben: ->Roco Düwag Gelenkwagen
Hallo!

Roco gibt 22cm als Mindestradius an. Mein GT6 bzw. der GT8 fahren aber auch ohne Probleme durch den R1 von Hartel mit 18,5cm Radius.

Testweise habe ich den GT6 auch durch einen 16cm-Radius aus Flexgleis gebogen gebracht. Allerdings sollte der Fahrstrom da etwas höher sein, als nur Schrittgeschwindigkeit.

Liebe Grüße
Manfred
Alexander Dathe
Beiträge: 61
Registriert: Sa 1. Jan 2005, 15:39
Wohnort: Chemnitz

Beitrag von Alexander Dathe »

Die Radienminima bemessen sich an folgenden Sachen, die Du vielleicht anhand deines Fahrzeugparkes selbst ausprobieren kannst:

Zweiachsfahrzeuge

Ausscheren der Plattformen in Kurven und dabei beachten, das beim HP-Modell die Deichsel der Kupplung in eine gewisse Einfassung eingeengt ist.

Die gedanklich starre Deichsel zwischen den zwei gekuppelten Fahrzeugen muss innerhalb dieser Einengung frei beweglich sein.

Nicht in engen Kurven seitlich anstoßen und sich dann noch weiter biegen wollen. Aber für diese Bedenken müssen die Kurven sehr sehr eng sein.

Die PMT-Fahrwerke haben sehr enge Achsstände, da gibt es mit Sicherheit keine Einschränkungen.

Rocos Düwagbahn

Stromaufnahme und Fahrverhalten aufgrund der engen Achsstände beim Drehgestell ohne Problem. Limitierend auf den Radius wirkt sich die Biegbarkeit der Fahrzeuge im Bereich der Gelenke aus. Ausprobieren hilft da, was das Maximun der Biegung ist.

Der zu durchfahrende Minimalradius sollte doch nicht so minimal gewählt werden, dass die Bahn stecken bleibt.

Nach meiner Erfahrung ist auch hier ein Radius möglich, der sehr eng wäre.

HP-Tatras

Hier bestimmt den Minimalradius die Kupplung. Beide Fahrzeuge sollen gedanklich mit einer Deichsel verbunden werden. In engen Kurven sollte diese in der Fahrzeugfront seitlich Raum haben.

Die Drehgestelle drehen sich beim T6 und T4/T3 sehr weit ein, wobei ein Radius von 15cm das höchste der Gefühle ist!

Zum KT4D-Kardanmotor kann ich wieder nichts sagen.
[Leider seit einem halben Jahr....aber ich möchte nicht "motzen"...er soll aber nächste Woche erhältlich sein - hoffentlich]
Hier addiert sich die Drehgestellbewegung zur Gelenkbewegung des Wagenkastens. Aber die einen stellen die Drehgestellefest, die anderen nicht..Ich warte ab und äussere mich dann mit dem Motor in der Hand dazu.

HP-Hecht

Ich warte leider auch hier auf den Motor. Hier sind die Drehgestelle aber anders konstruiert als bei den Kardanantrieben. Der Motor befindet sich direkt auf einem Drehgestell. Evtl soll hier auch ein Kardanmotor erscheinen?!

Rillenschienen

Die Spurkränze sollten genügend breite Spurrillen in der Straßeneinpfplasterung haben. Da es verschiedene Methoden gibt, Schienen einzupflastern, kannst Du das selber ermessen. Die Magdeburger Strabafreunde legen Straßenkarton mittig in das Gleis auf die Plasteschwellen zwischen beide Schienenprofile. Hierbei gibt es gar keine Rillen, weil der Straßenbelag unter den Spurkränzen liegt.
Zuletzt geändert von Alexander Dathe am Do 10. Mär 2005, 19:51, insgesamt 1-mal geändert.
Werner Jurkowski

Beitrag von Werner Jurkowski »

Natürlich gibt es praktische Erfahrungen. Da auf meiner Anlage der kleinste Radius 25cm beträgt, kann ich bezüglich kleinerer Radien nur auf die Erfahrungen Anderer zurückgreifen.
Auf manchen Anlagen werden Hartelgleise verwendet, die einen kleinsten Radius von 18,3cm haben, wohl ausreichend für die meisten von Dir genannten Modelle.
Entscheidend für die Wahl des kleinsten Radius ist, welche Modelle (auch in einigen Jahren zu beschaffende) die Kurve befahren sollen. Probleme gibt es vorwiegend bei Drehgestell- oder Gelenkwagen. Mit Zweiachsern kannst Du auch engere Radien befahren, sofern sie einen kurzen Achsabstand haben. Hier ist die Grenze durch die Rillenbreite gegeben. Bei Zweiachsern mit langem Achsabstand (z.B. 3,5m beim Vorbild) hat man auf dem Hartelgleis Probleme, weil die Spurkränze an den Kunststoffrillen entlangschaben und dadurch gebremst werden.
Bei Drehgestellwagen ist der Einschlag der Drehgestelle entweder durch die Aufnahme im Wagenboden oder die lichte Weite zwischen den Innenwänden begrenzt. Bei Gelenkwagen kommt noch hinzu, welchen Einschlag das Gelenk zuläßt.
Da gibt es Modelle, bei denen es unter 25cm kritisch wird. Der Dresdener NGTD12DD schafft gerade noch 22cm (s. hierzu Beiträge im Forum), beim Wiener Großraumzug fängt es bei 23cm an zu kratzen, beim Arnheimer TW 76 muß man von der Innenwand etwas wegschnipseln, damit er 25cm schafft und beim Stadtbahnwagen B braucht man es unter 30cm garnicht erst zu probieren.
Die wenigen Beispiele sollen zur Darstellung der Problematik genügen. Wenn Du weiter nichts vorhast, als die im Foto gezeigte Stelle nachzugestalten und nur mit kurzen Zweiachsern zu befahren, dann kannst Du sogar noch einen 15cm Radius (Schmalspur wie im Bild) befahren. Das ist durchaus noch vorbildgerecht bei eingleisigen Strecken. Du mußt halt nur darauf achten, daß die Räder in den Rillen frei laufen (Kontakt der Spurkränze zur Leitschiene vermeiden, wenn diese nicht aus Metall ist).

MfG
Werner
Hans-Peter Nast

Beitrag von Hans-Peter Nast »

Hi Fans.
In einem Punkt muß ich der Aussage von Manfred widersprechen.
Die Roco Düwags sind nur für Radien bis 20cm geeignet, nicht jedoch für den Hartel Radius 1 mit 18,3cm.
Es hat sich allerdings herausgestellt, daß die 6-Achser etwas engere Kurven befahren können als die 8-Achser.
Der Hartel Radius 1 ist mit diesen Fahrzeugen ohne Änderungen an den Wagenkästen nur bis zu einem Winkel von maximal 45° befahrbar, alle Radius 1 Kurven über 45° bringen die Fahrzeuge zum entgleisen, da sich die Gehäuseteile dann berühren und das Fahrzeug schlicht aus dem Gleis hebeln.

Aus diesem Grund können meine Roco Düwags auch nicht auf allen Teilen der Modellstraßenbahn Hamburg Anlage eingesetzt werden.

Ich bin inzwischen dazu übergegangen auch die inneren Gleisbögen bei doppelgleisigen Kurven mit dem gleichen Radius zu bauen wie die äußeren Gleisbögen.
Das hat den Nebeneffekt, daß der Gleisabstand in den Kurven etwas breiter wird, was aber durchaus Vorbildgerecht ist.
Dadurch können sich auch Fahrzeuge mit größerem Überhang in den Kurven begegnen.

Zu den Lima-Düwags ist zu bemerken, daß die Modelle der ersten Bauserie nur Radien von ca 36cm befahren konnten.
Das wurde ab der zweiten Lieferserie geändert, diese und die nachfolgenden Serien können Radien bis 20cm befahren.
Das gilt auch für die Typ-M/N- Wagen.

Grüße aus Hamburg
H.-P.Nast
PCCFan

Minimalradien

Beitrag von PCCFan »

Hallo

Die Kurve ist schon fas "Lissabonmässig" eng. Falls Du nur mit 2 Achsern fahren willst ist das Problem weniger der Radius als solches, sondern wie beschrieben der Abstand zu Leitschiene und die Schwenkbarkeit der Kupplungen. Meine 2 Achser mit Halling Varioantrieb liessen sich auch noch durch Radien von <10cm fahren, aber selbst der Lissabonner Minimalradius von 10m im Original gibt umgerechnet in HO noch 11,5cm.
Wie gesagt, es kommt auf's Rollmaterial an.
Gruess
Boris
Hödl-Linie8
Beiträge: 224
Registriert: Di 11. Jan 2005, 16:41

Enge Kurven

Beitrag von Hödl-Linie8 »

Ich habe einen Kunden, der fährt alle Oldies mit Beiwagen auf den alten Rivarrossi Tram-Segmenten mit 10 cm Radius. Seine Lösung des Kupplungsproblemes sind Federn aus ausgedienten Kugelschreibern.

Fest gekuppelt, oder als weiterer Basteltip, durchzwicken und eine Seite etwas enger drehen, wie von den Antriebsspiralen von Wilesco bekannt. Nicht sehr originalgetreu, aber sehr funktionssicher.

MfG, G. Hödl
Matthias.Vollstedt
Beiträge: 252
Registriert: Di 1. Mär 2005, 19:49
Wohnort: Essen

Kurvenradien

Beitrag von Matthias.Vollstedt »

Hallo zusammen,

in meinem Buch habe ich auf S.39 die Mindestradien der gängigsten Gleissysteme und Fahrzeugmodelle aufgelistet - die Angaben habe ich selbst getestet; sie sind durchaus belastbar.
Vollkommen richtig ist die "Warnung" vor Hartelgleis bei beabsichtigtem Einsatz größerer Drehgestell- und/oder Gelenkwagen: Selbst Wagen, die den Innenradius mit Zwängen noch schaffen (ROCO-Typ Köln), scheitern an den Weichen.
Überhaupt würde ich Euch nicht empfehlen, bei Drehgestell-oder Gelenkwagen die Radien nach unten auszureizen:
Ich erinnere mich nur zu gut daran, wie auf meiner Schauanlage auf der VDV- Tagung 1996 (ausgerechnet) in Köln im achtstündigen Dauereinsatz ein ROCO-Kölner nach dem anderen wegen in 22cm-Radien überstrapaziertem Getriebe "ausstieg",
so dass ich den Betrieb mit Düsseldorfer! Zweiachsern weiterführen musste...

Liebe Grüße
Matthias Vollstedt
Mehr Infos zum Bau und Betrieb von Modelltrams findet Ihr in meinem Buch "Straßenbahn im Modell", 2. Auflage Alba-Verlag Düsseldorf. Allzeit "gute Fahrt" in unserem schönen Hobby wünscht Euch
Matthias Vollstedt
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