Einschottern von Weichen auf freier Strecke

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Volker Meine

Einschottern von Weichen auf freier Strecke

Beitrag von Volker Meine » Mi 16. Nov 2005, 17:03

Hallo,
ich da habe ein Problem, wie schottert man Weichen ein, ohne das ich die Zungen verklebe?
Eingebaut sind PECO Weichen, die mit Kontakten in den Zungen ausgestattet sind. Die Weichen-Antriebe sind von unten eingehängt und nach oben offen.
Bei meinen Straßenmaterial habe ich da keine Probleme, da habe ich einfach darüber geklebt und sie funktionieren noch.

Gruß
Volker

Alexander Dathe
Beiträge: 59
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Wohnort: Chemnitz

Beitrag von Alexander Dathe » Mi 16. Nov 2005, 23:16

Hallo,

weil auch ich demnächst Vignolschienen einbaue, stelle ich auch ein paar Fragen mit ein:

Ist eine Korkunterlage unter den Gleisen, bei mir Tillig-Elite, unbedingt notwendig?

Meine Anlagenplatte ist aus 1 cm dickem buchenem Sperrholz, ist fest und formstabil, außerdem umgibt ein stabiler Rahmen die 1,60 x 90 cm große Platte (-> leider aus Platzgründen vorerst kein Modulbau bei mir).

Sollte die Korkunterlage tatsächlich schalldämmend wirken?

Ich habe mich informiert über die Effekte von Korkplatten. Und zwar wenn der 2 oder 3 mm dicke Kork mit Holzkaltleim auf die Anlagenplatte geklebt wird, zieht der Leim in den Kork ein. Nach dem Aushärten ist alles recht starr und bildet eine sog. Schallbrücke.

Hinzu käme, dass die Gleise samt Schotter obendrauf wieder eine steinharte Auflage bilden, sodass der Geräuschdämmeffekt gleich Null sein wird.

Es wird eine dickere Korkschicht empfohlen, beispielsweise > 6 mm. Hier zieht der Leim von unten dann nicht gänzlich durch den Kork.

Nun ist die übliche Einschottermethode aber sehr feucht. Hier würden die sorgfältig zurecht gepinselten Schottersteinchen zunächst befeuchtet und dann mit dem Wasser-Leim-Fit Gemisch durchtränkt, gezielt mit einer Pipette oder Spritze zum Beispiel. Die Feuchtigkeit soll unter den Schwellen hervordringen...

Doch bei letztgenannter Beschreibung habe ich Bedenken, das der Kork die Feuchtigkeit stark aufsaugt. Der Holzkaltleim, mit dem der Kork angeklebt worden war, weicht dann wieder auf. Das Sperrholz könnte ebenfalls quellen und aufplatzen.

Vielleicht ist dieses Horroszenario auch nur übertriebene Phantasie. Aber ohne diesen Kork würde es bei mir auch gehen. Ich brauche keinen optisch angehöhten Gleisdamm, da meine Trassen ebenerdig eingekoffert sind (zwischen "Bordsteinkanten").

Unter den Leiterplatten mit den aufgelötetem Weichen, würde ich auch nur ungern Kork haben. Die Leiterplatten und ebenso die Plasteschwellen von Swedtram verschraube ich fest in das harte buchne Sperrholz. Somit entsünden sowiso Schallbrücken. Der Effekt der Dämmung durch die Korkunterlage wird damit unwirksam.

Habt ihr da Erfahrung, die von Kork absieht? Wie nass muss eingeschottert werden? Genügt es nicht, erst den Boden zwischen den Schwellen mit Leim zu benetzen und dann den Schotter darüber zu streuen - andrücken - trocknen - absaugen - fertig?

Viele Grüße
Alexander

Werner Jurkowski
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Beitrag von Werner Jurkowski » Do 17. Nov 2005, 01:30

Hallo Alexander,

das mit der Schallbrücke ist grundsätzlich richtig, sie verringert die sonst mögliche Schalldämmung. Meine Erfahrung ist, daß ein Modul, auf dem außer dem Verlegen von Gleisen noch keine Landschaftsgestaltung vorgenommen wurde, ein weitaus besserer Resonanzkörper ist als mit Landschaft / Stadt. Zu meinem nicht transportablen Anlagenteil gibt es noch solch ein "naktes" Modul, da kann ich den Unterschied deutlich hören.

Alle meine Platten bestehen aus Preßspan und bei den Anlagenteilen, die nicht auf Ausstellungen präsentiert werden können, liegen die Schienen auf Holzschwellen, die direkt auf die Platte geleimt sind, was dann auch für den Schotter gilt.

Ich verwende Ponal "Holzleim für wasserfeste Verleimungen", das für den Schotter stark verdünnt wird. In der Schotterlage wird es dann doch recht feucht, schließlich soll ja möglichst auch das oberste Körnchen benetzt werden, damit die ganze schöne Arbeit nicht im Staubsauger verschwindet. Trotz der starken Verdünnung des Leims, wird das Schotterbett steinhart.

Nachteile durch die Feuchtigkeit hatte ich keine. Wie sich das bei Sperrholz auswirkt, kannst Du mal an einer Ecke (oder Abfallstück) ausprobieren, wo es nicht so drauf ankommt. Bei Problemen könnte es möglicherweise klappen, wenn man die Gleisbettung vor der Gleisverlegung dünn mit unverdünntem Leim einstreicht. Wenn der getrocknet ist, sollte die Feuchtigkeit beim Einschottern keinen Schaden mehr anrichten können (auch hier vorher ausprobieren, da erst mal nur so eine Idee). Auf die Korkunterlage kannst Du verzichten.

Viele Grüße
Werner

Hans-Peter Nast

Beitrag von Hans-Peter Nast » Do 17. Nov 2005, 02:00

Hallo Alexander.

Die Korkunterlage ist nicht unbedingt nötig.

Dein Sperrholz sollte "wasserfest verleimt" sein, dann kommt das Deckfurnier nicht so schnell hoch.

Die Korkunterlage ist tatsächlich etwas geräuschdämmend, solange die Gleise nicht verschraubt und eingeschottert sind.

Zum Verkleben der Korkunterlage verwende ich den Korkplattenkleber von Max Bahr und einen Zahnspachtel.
Da zieht nichts in den Kork ein und die Korkstreifen (H0-Gleisbettung von Busch, 4mm dick mit Böschungswinkel) sind in ca. 20Minuten fest.

Wenn Du eine wirklich Schalldämmende Gleistrasse haben möchtest, ist es besser erst eine Lage 3mm Styrofoam Dämmplatte unter die gesamte Trasse zu kleben, die Korkbettung darauf und dann die Gleise, ohne Schrauben und Nägel, mit dem Schotter zu befestigen.
Man sollte in diesem Falle die Gleise an ein paar strategisch wichtigen Punkten mit Schrauben fixieren, die man dann hinterher wieder herausdreht.
Wenn die Styrofoamlage breiter ist als das Schotterbett, ist die Geräuschdämmung gegeben.

Man kann anstelle des Korkstreifens auch einen entsprechend breiten Streifen Styrofoam nehmen.

Das fixieren des Schotters muß idealerweise naß in naß geschehen, weil der Schotter sonst krümelig wird und sich dann auf den Weg in die Fahrzeuggetriebe macht.

Die von Dir genannte Methode benutze ich nur bei der Begrünung, da sonst die Gefahr besteht, daß sich Teile der Schotterung lösen.

Die genannte Methode funktioniert bei meinen Eisenbahn-Modulen deswegen gut, weil die Deckplatte des Moduls aus 20mm Styrofoam besteht.
Diese 20mm Styrofoam Platten sind für die Straßenbahn denkbar ungeeignet, weil man die Oberleitungsmasten in dem weichen Material nicht festbekommt.
Besser ist es, ein Trassenbrett mit einer dünnen Styrofoamlage vorzusehen.

Alle Klarheiten beseitigt?

Nun probiert mal schön.
Grüße aus Hamburg
H.-P.Nast

Volker Meine

Einschottern von Weichen auf freier Strecke

Beitrag von Volker Meine » Do 17. Nov 2005, 09:14

Hallo,
Das hatte ich gestern vergessen rein zuschreiben. Ich hatte damals auch die Antriebe von PECO eingebaut und habe ein 38mm x 25mm großes Loch unter der Stellschwelle, so dass dort eine Öffnung ist. Was kann ich dort noch machen, habe auch Angst dort den Weichenantrieb zu verkleben?

Hallo Alexander,
ich habe meine Module mit 3mm starken Styrodur Dämmplatten beklebt und habe so eine gute Geräuschdämmung. Diese Platten 3mm + 6mm bekommt man im Baumarkt zum Preis von ca. 7.50 EURO für zwei. Diese kann man mit dem Kutter bearbeiten und hat gute Ergebnisse.

Gruß Volker

Hans-Peter Nast

Beitrag von Hans-Peter Nast » Do 17. Nov 2005, 20:40

Hallo Volker.

Weichenantriebe sollten nicht verklebt werden!
Da der Antrieb generell das empfindlichere Bauteil ist, solltest Du die Antriebe besser verschrauben, damit Du eine Wartungs- und Austauschmöglichkeit hast.

Das große Loch lässt sich einfach mit einem Stück Papier überkleben.
Wenn Du dafür eine alte Zeitung nimmst, kannst Du die mit Leim bestreichen, die zieht das besser ein als normales Papier.

In die ausgehärtete Papierlage kannst Du dann nach dem trocknen ein entsprechend kleineres Loch hineinschneiden.

Schlauer ist es aber das Loch erst nach dem Schottern hinenizuschneiden, dann kann kein Schotter durchfallen.
Ist natürlich Prökelkram das Loch später punktgenau von unten da hineinzupraktizieren.

Grüße aus Hamburg.
H.-P.Nast

Frank

Beitrag von Frank » Do 17. Nov 2005, 21:13

Hallo,

Ich gehe i.d.R. wie nachfolgend beschrieben vor:

Nachdem ich den Schotter mühsam in seine Soll-Endlage gebracht
habe (das kann ja bei Nietenzählern etwas Zeit in Anspruch
nehmen), gehe ich vorsichtig mit einem ganz schwach dosiertem Gemisch
aus Holzleim/Spülmittel und Wasser aus dem Zerstäuber (!) drüber. Auf
diese Weise bleiben die Körnchen genau dort liegen, wo man sie mit dem
Pinsel hingeschoben hat.

Dabei trage ich dann nur soviel 'Feuchtigkeit' auf, dass das
Schotterbett nach dem trocknen ausreichend widerstandsfähig für den
zweiten, üblichen Schritt wird:

Ist das Schotterbett dann getrocknet, kann die bekannte, auf der
Kapilarwirkung beruhende Methode angewendet werden, ohne dass das
'Schotterbettdesign' sich verändert (Steinchen bleiben in Sollage
liegen).

Volker Meine

Einschottern von Weichen auf freier Strecke

Beitrag von Volker Meine » Fr 18. Nov 2005, 08:36

Guten Morgen,
vielen Dank für die Tipps usw. Ich werde diese Tipps mal versuchen hin zubekommen.

Ein schönes Wochenende euch allen.

Gruß
Volker

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