Stromführende Schaku selbst gemacht

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fs84
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Stromführende Schaku selbst gemacht

Beitrag von fs84 »

Hallo zusammen,


da ich über kurz oder lang auch zwei motorisierte Triebwagen miteinander kuppeln möchte, habe ich mir vor einiger Zeit eine stromführende Schaku zurechtgetüftelt:

“Einkaufsliste”
Buchsenleiste vom Conrad 32polig (reicht im günstigten Fall für 16 Kupplungen, d. h. 8 Paare= 8 Wagen), Art. Nr. 740438, Stück 1,02 Euro. Von Brawa gibt es sogenannte Mikrosteckverbindungen, die sind das selbe in grün, aber deutlich teurer.
Scharfenbergkupplungen aus den Tatra- Bausätzen von Herrmann und Partner (nicht funktionsfähig, aus Kunststoff). Alternativ kann man auch sein Glück mit den Halling- Schakus versuchen, da hab ich aber keine Erfahrung mit.
Litze, Einzelader, 0,05 mm^2, erhältlich bei Conrad. Die schwarze Litze hat die Art. Nr. 605900, die rote 605834. Es ist sinnvoll, zwei verschiedene Farben zu verwenden.
Lötkolben
Lötzinn
Zahnarztbohrer, mit selbstgefertigtem Adapter im Dremel einsetzbar.
etwas Acrylfarbe (dunkles Grau oder Schwarz)

Zunächst müssen zwei Löcher in die Herrmann- Kupplung gebohrt werden. Dazu bohrt man die bereits vorhandene Kuhle des Trichters durch, am besten ein wenig schräg nach außen. Dann muss der Kegel (“Kupplungsnase”) mit einem Bastelmesser o. ä. abgeschabt werden. Auch hier eine Bohrung vornehmen. Zwischen beiden Löchern sollte noch ein wenig Kunststoff stehen bleiben. Mit ein wenig Übung bekommt man das hin.
Jetzt sollte man die Kupplungen mit der gewünschten Farbe behandeln. Hierbei gelingt es vielleicht auch, die etwas asymmetrischen seitlichen Konturen der Kunststoffkupplungen einander anzugleichen.
Als nächstes gilt es, die Stecker/Buchsen (also alles Metallische :wink:) aus der Buchsenleiste zu entfernen, indem man den Kunsstoff an zwei Seiten mit einer Trennscheibe ablöst- die Buchsen/Stecker lassen sich dann gut aus dem Kunststoff lösen. Das Tolle an den Dingern ist, dass man das selbe Metallteil sowohl als Stecker als auch als Buchse verwenden kann, da an dem einem Ende das Steckende, am anderem Ende das Buchsenende liegt. Leider habe ich im Handel in dieser Größe nichts vergleichbares ohne “Kunststoffdrumherum” gefunden.
Nun sollten die Stecker/Buchsen in die Löcher eingepasst werden.
Bitte beachten:
Die Imitation der Elektrokontaktkupplung muss nach oben zeigen und gleichzeitig muss der Kegel (= Steckerende) in Fahrtrichtung rechts aus der Kupplung kommen, die Buchse (=Trichter) liegt in Fahrtrichtung links. Die “massiven” Metallteile sollten bündig mit der Kunststoffoberfläche der Herrmann- Kupplung abschließen.
Leider ist die Anordnung der Kegel bei einigen Kupplungen, die den Tatra- Bausätzen von Frau Herrmann beiliegen, falsch umgesetzt. Bei Tatrafahrzeugen gilt außerdem: Die Schaku ohne Elektrokontaktkupplung ist für die Kupplung am Heck des Beiwagens gedacht- Triebwagen verfügen ausschließlich über Kupplungen mit Elektrokontaktkupplung”.

Auf der linken Seite (Trichter) kann der Stecker, der von der Kupplung zum Wagen hin zeigt, abgeklipst werden, da hier nur das Buchsenende benötigt wird- die verbleibende Fläche reicht zum Löten aus.
Nach einer Passprobe sollten Stecker bzw. Buchsen wieder aus der Kuplung entfernt werden, damit die Litze angelötet werden kann. Zum Löten die Metallteile nicht in der Kupplung belassen! Die Wärmeentwicklung kann dem Kunststoff der Schaku schaden.
Kleiner Tipp: Die Verwendung unterschiedlicher Farben bei den Kabeln ist sehr sinnvoll, im Bereich der Kupplung kann die Litze ja farblich behandelt werden, damit es nicht so stark auffällt. Hier lohnt es sich, für den ganzen Fuhrpark festzulegen, welche Farbe der Plus- bzw. Minuspol hat. Dies erleichtert eine spätere Wartung der Fahrzeuge.
Dann zunächst das Kabelende durch die Löcher der Kupplungen durchführen. Die Lötstelle sollte wegen der späteren Kabelführung nach unten- seitlich zeigen.
Anschließend die Löcher in den Kupplungen mit ein wenig Zweikomponentenkleber füllen. Dann Buchse/bzw. Stecker in das Loch hineinschieben. Solange der Kleber noch nicht völlig trocken ist, eine Passprobe mit der anderen Kupplung machen. Kleinere Korrekturen können dann noch vorgenommen werden. Im gekuppeltem Zustand ist zwischen den beiden Kupplungen kein Spalt zu sehen und die Imitationen der Elektrokontaktkupplungen sitzen auf einer Höhe.
Bei der Führung der Kabel zum Motor bzw. Leiterplatte beachten, dass die Kabel kreuzen- so entseht eine Bewegungsreserve, da die Kupplung ja ausschlagen soll.

Bisher habe ich vor über einem Jahr einen Zug aus T6A2/B6A2 damit ausgerüstet und bin mit dem Resultat überaus zufrieden. Ich fahre zwar nicht auf einer Anlage oder im Dauerbetrieb, aber bisher ergaben sich keine Kontaktprobleme und der Beiwagen kuppelte sich nicht ab, da die Verbindung sicher hielt. Meine übrigen Tatrawagen werden nach und nach mit dieser Kupplung ausgerüstet werden. Einen Nachteil gibt es natürlich: Diese Lösung ist für Züge, die häufig ent- und dann wieder gekuppelt werden sollen (ZR- Zweichachser an Umsetzendstellen...) nicht wirklich geeignet, da die Trennung der Wagen doch einiges an Kraft erfordert.
Zur Optik: Der in Fahrtrichtung rechts aus der Kupplung ragende Stecker stört zumindest mich nicht wirklich, er ist nicht wirklich viel länger als der Zapfen der funktionsfähigen Metall- Schaku von Frau Herrmann. Kürzen würde ich den Stecker nicht, da die Wagen dann nicht mehr so fest kuppeln.
Vielleicht interessiert diese Lösung ja den ein oder anderen.
Einen schönen Sonntag noch und viele Grüße,


Fabian
Manfred A.
Beiträge: 345
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Beitrag von Manfred A. »

Klingt interessant.

Bilder wären super.

LG, Manfred
Gerdo
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Wohnort: 26556 Utarp

Beitrag von Gerdo »

Moin fs84,
sehr interessanter Eigenbau. Läßt sich sehr darüber nachdenken. Der Preis dafür liegt doch sehr unter dem der leitenden BEMO Schaku. Die ist zwar ganz gut funktionsfähig, aber
der Preis dafür schreckt sehr!!!
Mit Grüßen aus Ostfriesland Utz
Hans-Peter Nast

Beitrag von Hans-Peter Nast »

Hallo Fabian.

Zwei Seelen, ein Gedanke... :wink:

Gerade gestern habe ich genau so eine Kupplung auf unserem monatlichen Modellstrassenbahnertreffen in Hamburg gezeigt. :lol:

:idea: Allerdings habe ich für den herausstehenden Zapfen einen Stecker der gleichen Bauart genommen, da sich dieser unauffälliger einbauen ließ.
Zur Tarnung der Kabel habe ich den Kupplungsschaft mit Schrumpfschlauch überzogen.

:idea: Um Deine Umbauanleitung noch zu präzisieren.
Der Durchmesser der Bohrungen für diese Steckverbinder sollte 1,3 mm sein, mit einer Aufweitung im oberen Bereich auf 1,8mm, damit der Rezess der Steckverbinder bündig versenkt werden kann. :D


Jetzt grübel ich, wie ich diese Kupplung 4-polig hinkriege... :roll:
Hans-Peter Nast

Beitrag von Hans-Peter Nast »

Hi Fans.
hier sind jetzt die Bilder dazu.

Bild

Von oben und von der Seite.



Bild

Der direkte Blick zeigt die kleinen Unterschiede.



Bild

Von oben, entkuppelt.


Bild

Von oben, in gekuppeltem Zustand kaum von der normalen H&P-Kupplung zu unterscheiden.

Jetzt fehlen nur noch ein paar Kleckse Farbe und der Unterschied fällt überhaupt nicht mehr auf.
aXel
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Schaku

Beitrag von aXel »

Hallo,

Klassethema - Klassevorschlag - das ist, was dieses Forum ausmacht.

Gruß

aXel
derbaryard
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Beitrag von derbaryard »

nuya... möcht mich jetz nich gleich im dritten beitrag als nörgler profilieren, aber meiste nicht, dass dat stängelschen ein wenig zu dick aufträgt?

hab jetz leider kein bild zu hand, sonst würd ichs zeigen...

wenn du dünnen draht, dünne kabel nimmst, kannst du die ja vorbildgerecht aussen lassen. meistens sind diese kabel nämlich auch in echt nicht innenliegend sondern "hängen" an der freien luft...

ich bin momentan noch arg am hadern. ich bräuchte eine mehrpolige kupplung. aber wer schon mal 32 pole im maßstab 1:87 versucht hat zu bohren, der wird wissen wie irre das vorhaben ist...

was machen denn menschen, die mehrere funktionen in einem TW haben, diese auch gerne im BW hätten...!?
Die Bahn kommt...
aXel
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Beitrag von aXel »

Hallo,

es geht doch bei der Kupplung um die Stromzuführung im Bw mit der Möglichkeit der Zugtrennung im Betrieb und nicht um die Wiedergabe des "Schaku-Klaviers".

Deshalb ist eine "leitende Kupplung" auf Basis von verfügbaren Teilen sehr interessant. :)

Gruß

aXel
derbaryard
Beiträge: 24
Registriert: So 10. Feb 2008, 13:36
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Beitrag von derbaryard »

türlich ist die vergrößerung der stromaufnahmefläche interessant. auch wichtig.

mein interesse liegt eben woanders :P

ich habs geschafft, dass alle schwachstellen bei mir fast eliminiert sind und kaum noch ein wagen liegenbleibt, aber ich hab auch meist gelenkwagen im einsatz und kaum zweiachser...
Die Bahn kommt...
Olaf
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Beitrag von Olaf »

Hallo Fabian

Vielen Dank für deinen tollen Bericht.
Ich würde aber die Drähte unterhalb der Kupplung hängend verlegen.
Das kommt dem Original sehr nah :!:
Mach doch bitte mal ein Bildchen :)

Gruß Olaf

Bild
fs84
Beiträge: 41
Registriert: Sa 4. Nov 2006, 14:18
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Beitrag von fs84 »

Hallo,


danke für euer Interesse.
Ja, die Bilder- da legt ihr eure Finger in eine offenen Wunde :lol: Mir fehlen leider die Möglichkeiten, aussagekräftige Bilder zu machen- daher bin ich Hans-Peter sehr dankbar, dass er ein paar Bilder seiner Kupplungen gemacht hat.
Erlaubt mir bitte zwei kleine Fragen bzw. Anmerkungen:

- @Hans- Peter: Ich habe offenbar Tomaten auf den Augen, erklär doch bitte anhand deiner Bilder kurz, was du anders gemacht hast als ich, sprich, was du meinst mit:

Allerdings habe ich für den herausstehenden Zapfen einen Stecker der gleichen Bauart genommen, da sich dieser unauffälliger einbauen ließ.

- Irgendwie sieht es auf Bild 2 so aus, als wären die Position von Kegel und Trichter vertauscht - müsste der Kegel (=Stecker) nicht rechts statt links sein? Oder hab ich was übersehen?

Nicht böse sein :wink:

-Auf dem letzten Bild sieht man sehr schön, was ich mit den fertigungsbedingten (soll jetzt keine Kritik an Hans- Peter sein!!) Asymmetrien der Kupplungen meine- es ist ein leichter Versatz erkennbar, der sich mit ein bisschen Farbe oder auch Zweikompokleber ausgleichen lässt.

Für mein erstes Paar Kupplungen habe ich auch sehr dicke Litze genommen, aber seit ich hier im Forum durch gute Tipps bei Conrad fündig geworden bin, werde ich nur noch die ganz dünne Litze nehmen. Die werde ich dann auch, wie auf Olafs Bild zu sehen, "runterbaumeln"lassen. Allerdings finde ich Hans- Peters Lösung mit dem Schrumpfschlauch auch recht betriebssicher, die Gefahr, dass sich eines der Kabel irgendwo verhakt (ich denke da an Weichenstraßen...), wird dadurch deutlich geringer.
Außerdem verschwindet zumindest bei den T6A2 ein Großteil der Kupplung hinter den Schürzen, sodass der Schrumpfschlauch optisch nicht so stark auffällt wie vielleicht vermutet.

Stichwort vierpolige Kupplung: Man könnte ja versuchen, den Kunststoffaufsatz durch zwei elektrisch voneinander getrennte Kontaktplättchen zu ersetzen- ich vermute mal, das artet in eine leichte Fummelei aus :lol:

Viele Grüße,

Fabian
Olaf
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Beitrag von Olaf »

Hallo Fabian

Die Drähte sollten schon etwas Bewegungsraum haben,da es sonst zu steif wird und die Gängigkeit in Kurven nicht ausreichend ist.
Lötstellen in diesen Bereich solltest du auch vermeiden damit diese durch die Bewegung nicht bricht.

Gruß Olaf

Bild

Bild
Hans-Peter Nast

Beitrag von Hans-Peter Nast »

Hi Fans.
Mal ganz ehrlich, warum sollte ich böse sein, wenn sachlich begründete Kritik mit Verbesserungsvorschlägen geäussert wird... :D
Wir sind doch hier nicht im Kindergarten... :!: :wink: :lol:

Diese Kupplung war ein erster Versuch, wie man eine 2-polige Kupplung optisch möglichst unauffällig und trotzden Dauerbetriebssicher bauen kann.

Das kann noch effektiver gestaltet werden und unauffälliger aussehen. :!:

:idea: Die sehr auffällige schwarze Farbe des verwendeten Schrumpfschlauches wird erheblich unauffälliger, wenn die Kupplung komplett in Fahrgestellfarbe lackiert wird.

:roll: Die Metallteile können mit 2-Komponentenkleber ummantelt werden, der Schrumpfschlauch wird zu einer schmalen Manschette und die Kabel werden im leichten Bogen geführt.
Schon sieht die Kupplung Vorbildgerecht aus...


Lasst Euch überraschen, wie die Kupplung aussieht, wenn sie fertig ist... :wink:
Gerdo
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Beitrag von Gerdo »

Moin,
für derartige "Kabel" verwende ich immer sog. Fädeldraht. Mit diesem Draht haben wir bei uns in der Elektronikentwicklung die "Hammerwerkvorversuche" unternommen. Der Draht
ist lötbarer Kupferlackdraht, d.h. die Isolation ist dieser sehr dünne Lack. Wenn ich bei der Modellbahn irgend eine Schaltung entwickelt habe, wurden alle Vorausversuche mit diesem
Draht gemacht. Er macht jede Kurvenbewegung anstandslos mit.
Mit Grüßen aus Ostfriesland Utz
Olaf
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Beitrag von Olaf »

Hi

Was ist Fädeldraht :?: oder meinst du Kupferlackdraht.

Gruß Olaf
Gesperrt