3D-Druck: Das hässliche ENDlein

Hier findet ihr alles zum Thema 3D-Druck.
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3D-Druck: Das hässliche ENDlein

Beitragvon Steeleye » Fr 10. Nov 2017, 20:39

Hallo Ingbert,

vielen Dank für Deine netten Worte!

Bei der Liebe zum Detail bin ich immer wieder selbst überrascht, was heute bereits mit der 3D-Drucktechnik möglich ist. Auf dem Achslagerdeckel ist die nur 0,3 mm hohe Beschriftung "SKF" fast noch zu entziffern, und das mit der nur zweitbesten Druckqualität (50 Micron). Maßstäbliche Nieten sind da fast schon selbstverständlich...

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Viele Grüße, Johannes
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Re: Das hässliche ENDlein

Beitragvon volkmar.m » Di 14. Nov 2017, 12:01

Steeleye hat geschrieben:Auf dem Achslagerdeckel ist die nur 0,3 mm hohe Beschriftung "SKF" fast noch zu entziffern, und das mit der nur zweitbesten Druckqualität (50 Micron). Maßstäbliche Nieten sind da fast schon selbstverständlich...


Ich bin begeistert!
(Da ist es wohl Zeit, mir selbst die Latte jetzt ein wenig höher hängen ;-) )
Gruss Volkmar
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Re: Das hässliche ENDlein

Beitragvon toofii » Fr 24. Nov 2017, 15:12

Johannes, mit welchem Drucker arbeitest du denn? Formlabs?
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Re: Das hässliche ENDlein

Beitragvon Steeleye » Fr 24. Nov 2017, 16:50

Jepp, ich drucke auf einem Form 2.

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Re: Das hässliche ENDlein

Beitragvon toofii » Fr 24. Nov 2017, 18:43

Auch wenn das eigentlich hier nicht rein gehört.. Wie zufrieden bist su mit der Handhabung des Druckers? Welche Schritte benötigt die Nacharbeitung des Drucks noch?
Habe bei denen gesehen das es nochmal ein spezielles Reinigungsgeràt und ein Aushärtgerät gibt. Hast du damit Erfahrungen? Danke schonmal, Jan
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Re: Das hässliche ENDlein

Beitragvon Steeleye » Fr 24. Nov 2017, 20:09

Hallo Jan,

Du stellt kurze Fragen - aber wie soll ich darauf kurz antworten?

Ein Schnellversuch: Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden und kann gute Drucke erzeugen. Der Weg dorthin war allerdings mühsam, zeitaufwendig, manchmal frustig und insbesondere teuer.
Der Drucker ist ein Sensibelchen. Schon kleine Fehler in der Zeichnung, bei der Teileanordnung für den Druck, beim Setzen der Stützen, bei Mangel in der Wartung, fehlerhafter Nachbehandlung oder eine Unachtsamkeit beim Entfernen des Stützgerüsts kann zu irreparablen Schrott führen - sehr ärgerlich nach ca. 17 Stunden Druckzeit für ein Modell. Je filigraner das Modell, desto höher die Ausschussquote.

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Die Modelle werden um ca 30 Grad in alle Richtungen geneigt angeordnet. Das führt zu einer "guten" Seite (oben) und einer "schlechten" Seite (unten). Im Bereich der Stützpunkte ist die Oberfläche etwas uneben und muss geglättet werden (schwierig bei Details), außerdem können glatte Flächen leichte Linienmuster der Schichten aufweisen. Treppchen durch die Schichten wie bei den bekannten Internet-Dienstleistern gibt es dagegen praktisch nie (auch wegen der Neigung der Modelle).


Die Isopropyl-Waschanlage ist ein nettes Gimmick, es geht aber auch mit den Wannen, die beim Drucker dabei sind. Eine Nachbehandlung dagegen ist Pflicht, d.h. Tempern und UV-Belichten in einem exakt temperierbaren Wärmeschrank mit UV-Bestrahlung. Ob es das Teil von Formlabs für knapp einen Tausender sein muss, muss jeder für sich entscheiden.

Nicht zu vernachlässigen sind die Betriebskosten. Zu dem teuren Resin kommt noch eine spezielle Druckwanne (Tank genannt) hinzu, die nach jedem verbrauchten Liter erneuert werden muss...

Wenn Interesse besteht, kann ich (wenn ich mal etwas Luft habe) einen Erfahrungsbericht im 3D-Bereich einstellen. Kleines Fazit vorab: Für kleine Serien ist dieser Drucker ein Segen, für gelegentliche Hobby-Drucker ein finanzielles Abenteuer.

Grüße, Johannes
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Re: Das hässliche ENDlein

Beitragvon toofii » Sa 25. Nov 2017, 15:29

Hallo Johannes,

danke für deine ausführlichen Antworten.
Wie weit kommt man denn mit einem Liter von dem flüssigen Resin?
Was verbrauchte in etwa der gezeigte Wagen von deinem Bild davon?

Natürlich wäre ich sehr gespannt einen Erfahrungsbericht zu lesen.

Danke und Grüße
Jan
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Das hässliche ENDlein - Fortsetzung aus Fahrzeug-Galerie

Beitragvon Bodo-Lutz » Sa 25. Nov 2017, 18:29

Der Beitrag von Johannes zur Entstehung des END-Modells ist hochinteresant und zeigt, dass die Entwicklung der 3D-Technologien im Modellbau noch lange nicht abgeschlossen ist.
Da es in den letzten Wortmeldungen vorzugsweise um den 3D-Druck geht, möchte ich die Diskussion darüber hier fortsetzen. Was die SLA-Technologie alles ermöglicht, hat Johannes im Detail dargestellt. Eine weitere Verbesserung in der Auflösung ist nicht mehr von der Gerätemechanik und Steuersoftware abhängig, sondern vor allem von der Qualität des lichtempfindlichen Resins. Schichtstärken von 25 µm und darunter sind kein Problem mehr.
Mit dem DPL (Digital Light Processing, auch: LCD-based resin SLA 3D printer) sind durch Verwendung eines LCD Displays zur Belichtung auch in x- und y-Richtung extrem hohe Auflösungen möglich, die bisher nur durch die Resinqualität begrenzt sind. Dafür sind Geräte schon für weniger als 700 € zu haben (z.B. Wanhao Duplicator D7 v.1.4) https://www.youtube.com/watch?v=2kkcWdsbbrw.

Nicht nachvollziehen kann ich die Darstellung von Johannes, dass die Modelle 30° schräg in den Bauraum gestellt werden sollen. Dies beruht sicher auf einer Herstellerempfehlung für massive, vorzugsweise runde Objekte, um die der Lastverteilung zu optimieren. Für unsere Hohlkörper mit -zumindest bei Wagenkästen- meist senkrechten Flächen ist eine Schräglage eher kontraproduktiv. An den senkrechten Außen- und Innenflächen sind bei senkrechter Positionierung keine Stützen erforderlich. Damit bleiben dort nach mechanischer Entfernung der Stützen keine "Warzen" und es muss nichts nachgeschliffen werden. Feinheiten wie Deckleisten und Nietköpfe bleiben unberührt. Es gibt -zumindest an senkrechten Wänden- weder "gute" noch "schlechte" Seiten. Die Anbindepunkte der Stützen befinden sich unter dem Dach und in den Fensteröffnungen.

Bild

Der Bildausschnitt zeigt ein Modell unmittelbar nach dem Abtropfen des Restresins, vor dem Waschen in technischem Alkohol, dem Trocknen und der UV-Behandlung. Deshalb erscheinen die eigentlich klaren Kanten noch gerundet.
Ein ausführlicher Beitrag über die Entstehung des im Bildausschnitt gezeigten Modells wird voraussichtlich nächste Woche im Forum erscheinen.
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Re: Das hässliche ENDlein - Fortsetzung aus Fahrzeug-Galerie

Beitragvon Steeleye » Sa 25. Nov 2017, 19:29

Hallo Bodo-Lutz,

die Schrägstellung des Modells entspricht den Herstellerempfehlungen und deckt sich (leider) mit meinen Erfahrungen.

Zwei Aspekte:
- Auch bei waagrechter Anordnung hast Du "gute" und "schlechte" Seiten, nämlich Ober- und Unterseite. Bei waagrechter Ausrichtung werden die unteren Kanten bei diesem Drucker extrem wellig. Das hängt mit dem Druckvorgang zusammen; nach der Belichtung der ersten Schicht wird der Tank zur Seite bewegt, dann das Modell komplett aus dem Resinbad gehoben, das Resin neu verteilt und das Modell wieder in das Bad getaucht. Dieser mechanischen Belastung ist diese nur 0,025 oder 0,05 mm dicke Schicht meist nicht gewachsen und verformt sich (anders als bei den Internet-Anbietern: dort wird das Modell nur minimal bewegt und die Schichten sind vergleichsweise dick und stabil). Bei Schrägstellung beschränkt sich dieser kritische Bereich meist auf die Größe des untersten Stützpunkts, allerdings muss jedes Detail, das nach "unten" zeigt, mit Stützen versehen werden, da es sonst "verloren" geht.
Und: nach meiner Erfahrung verbessert eine Schrägstellung bei diesem Drucker die Qualität glatter Flächen enorm; meist reicht ein kurzes Überschleifen für eine saubere Oberfläche. Waagrecht gedruckte Modelle weisen deutliche Schichtrillen auf, die tlw. gespachtelt werden müssen.

- Bei waagrechtem Druck hast Du genau die Stufen z.B. bei Tonnendächern, die ich unbedingt vermeiden will. Runde Dächer kommen bei diesem Drucker so glatt, dass keinerlei Nachbearbeitung erforderlich ist.

Bei Modellen unserer Größenordnung kann ich mit etwas Erfahrung die Stützen auch so positionieren, dass keine Seitenwände durch Stützpunkte verunstaltet werden. Nachteil ist natürlich die durch die höhere Anzahl der Schichten resultierende längere Druckdauer.

@Jan: So ein Altbau-Vierachser mit Chassis verbraucht ca. 100 ml Resin, also im Idealfall 10 Modelle pro Liter.

Grüße, Johannes
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Re: 3D-Druck: Das hässliche ENDlein

Beitragvon toofii » Mo 27. Nov 2017, 23:35

Hallo zusammen,

wahnsinnig Interessant der Drucker :-)
Ich bin aktuell ein wenig am probieren mit der Software.
Der Druckraum des Form2 ist für einen vierachsigen Beiwagen noch gerade so im Rahmen :shock:

Was bedeuten "rote Stellen" bei der Druckvorschau? Sind dies Problemstellen die zu verunfallten Drucken führen können?

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Re: 3D-Druck: Das hässliche ENDlein

Beitragvon Steeleye » Di 28. Nov 2017, 00:39

Die roten Bereiche sind Stellen, die keine oder nur eine unzureichende Abstützung haben. Mit dem manuellen Modus zum Setzen der Stützpunkte kannst Du weitere Stützen hinzufügen.

Wenn Du das Modell diagonal positionierst, bekommst Du noch längere Gehäuse in den Bauraum.

Grüße, Johannes
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Re: 3D-Druck: Das hässliche ENDlein

Beitragvon Steeleye » Di 28. Nov 2017, 21:02

Ein praktisch stufenfreies Tonnendach, auf dem Form2 mit 30 Grad-Winkel gedruckt.
das Modell ist von den Stützen befreit und versäubert, aber nicht geschliffen.

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Re: 3D-Druck: Das hässliche ENDlein

Beitragvon Tramspotters » Mi 29. Nov 2017, 12:07

Wie sieht denn die Front aus, die unten lag?
Tschoe, Guido

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Re: 3D-Druck: Das hässliche ENDlein

Beitragvon Steeleye » Do 30. Nov 2017, 20:43

Links die "schlechte" untere Seite, rechts die "gute" obere Seite. Beide Gehäuse sind nur grob versäubert.

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Die Details sind nicht so scharf und die hier unvermeidlichen Stützen hinterlassen Narben, die aufwändig beseitigt werden müssen.
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