Douglas Southern Electric in 1/72- in progress

Hier kann jeder seine selbst- oder umgebauten bzw. verfeinerten Fahrzeugmodelle vorstellen.
Auch spezielle Techniken wie Beleuchtungen, Antriebe, oder sonstige Verbesserungen an Industriemodellen sind hier richtig.
Tram_pur
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Douglas Southern Electric in 1/72- in progress

Beitrag von Tram_pur »

Einen schönen guten Tag ins Forum!

Nachdem ich schon ueber Jahre stiller und begeisterter Mitleser bin, möchte ich mich als Neuling hier zunächst vorstellen: mein Name ist Jan.

1984 wurde ich fotografiert- irgendwie fing so alles an. Ich stand mit meinen 9 Jahren, Interflugtuete und Schuelergeige an der Strassenbahnendhaltestelle Krankenhaus Köpenick und musste zum Geigenunterricht. Der freundliche Fotograf fragte um Erlaubnis, hiess Udo Hesse und brachte schliesslich bei Elephant Press ein Buch heraus "Als noch Osten war", welches meine Wenigkeit unuebersehbar ziert. Junge, Geige, Tramgleise.
Bis heute bin ich allem treu geblieben, habe aus der Violine mal einen Beruf gemacht, dann nach Schweden gezogen.
Dort wollte es das Schicksal, dass ich meine ueber die Jahre erworbenen Fähigkeiten im Modellbau eines Tages im Jahre 2015 dazu benutzte, ein Getriebe zu zimmern, welches urspruenglich fuer eine walisische Schmalspur- Stehkessellok in 1/43,5 gedacht war. Ich baute schön flach, weil der Kessel frei bleiben sollte fuer Elektronik und einen gigantischen Rauchgenerator.
Als das Ganze im Rohbau ganz passabel hin und herfuhr, sickerte einige Tage später der Gedanke in das muede Bewusstsein:
DAS passt auch unter den Fussboden einer Tram in H0!



Einige Jahre habe ich dann an Trams in 1/87 herumgemurkst- auch hier werde ich nach und nach einige Beiträge schreiben- entschied mich schliesslich zum Selbstbau im Massstab 1/72.

Hier also die Douglas Southern Electric im Bau.
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Die Tram ist etwa so gross wie ein G10 in H0. Die Fussbodenplatten liegen nur lose auf.
Diese Tram wählte ich, weil hier die flache Bauweise meiner Getriebe schön zur Geltung kommt. Hier ein kleines Fahrvideo kurz nach der "Geburt" der Tram:
https://youtu.be/7bCrHqDa1y4

Hier hat sie noch falsche Räder (zu gross)
Auf dieses und andere Unterflurgetriebe sowie den Gleisbau werde ich in gesonderten Beiträgen eingehen.

Und hier im Bauzustand November 2020:
https://youtu.be/Qr4xaMiiT0g

Die Tram fährt hier noch analog und ist zu etwa 2/3 fertig. Bauhöhe des Getriebes ist 10,8 mm, Untersetzung hier 63 zu 1. Spätere Antriebe bekommen 51 zu 1. Die Räder sind kugelgelagert, massstäblich abgedreht und nur 1,1 mm breit. Dreipunktlagerung selbstverständlich. Die Tram wird auch unterflur digitalisiert und mit 1F gepuffert. Das kann ich leider erst nach Vollendung der nächsten Bauabschnitte machen, wenn ich dann grundiert habe!

Fuer die Videoqualität (seinerzeit nicht fuer die Öffentlichkeit bestimmt) muss ich mich entschuldigen und gelobe Besserung!

Nun muss ich noch etwas zum gewählten Massstab 1/72 schreiben:

Wahrscheinlich stand ich als Junge zu lange an Tramgleisen, jedenfalls faszinieren mich die schmalen Rillenschienen und die filigranen Räder historischer Trams mehr, als sie sollten!
Tramräder sind im Vergleich zur grossen Eisenbahn kleiner im Durchmesser und vor allem viel schmaler. Ich kann also diverse H0pur/Proto- Räder verwenden, die in diesem Massstab dem Durchmesser und Aussehen des Originals weitestgehend entsprechen (ein kleiner Wehrmutstropfen bleibt immer; so habe ich eigentlich lauter Beiwagenräder, da Triebwagenräder zur Nabe hin nach innen gebogen waren), sie muessen allerdings schmaler abgedreht und neu aufgepresst werden!
Zum Zweiten erlaubt dieser Massstab wirklich absolut originale Fussbodenhöhe, da musste ich in H0 doch manchmal einen knappen mm dazuschummeln (eigentlich merkt es DORT kein Mensch, ansonsten SIEHT man Hundertstel besser, als man sie manchmal misst!).
Zum Dritten- und mit ausschlaggebend fuer die Wahl des Massstabs: die Gleise sehen bedeutend vorbildnäher aus als noch in H0 (Grundlage fuer diese Ueberlegung waren Andy Reicherts City Streetz fuer Proto87- Räder)!
ETWAS erleichternd kommt auch noch hinzu, dass es im Flugzeug- und Militariamodellbau einiges an Zubehör gibt, was sich zumindest teilweise fuer die Ausgestaltung einer Anlage benutzen liesse.
Auch ist das im britischen Eisenbahnmodellbau verbreitete 1:76 nicht ganz so weit entfernt...

Inzwischen ist dieser Bauzustand erreicht, die Treppen sind nur fuer den Eindruck und wandern in die Tonne. Sie sind das einzige grosse Problem, vor dem ich mich sehe; ich habe noch keine Lösung gefunden, sie anspruchsvoll und massstabsgerecht zu bauen....
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Gruss aus Schweden!
Jan

PS: Ich möchte noch auf meinen youtube-Kanal Tram pur verweisen, hier sieht man auch schon einige Getriebe fahren usw.
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M.V. Wesstein
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Re: Douglas Southern Electric in 1/72- in progress

Beitrag von M.V. Wesstein »

Es ist sehr sehr Schade dass Werner Jurkowski anfangs letztes Jahr (pre-Corona) verstorben ist, er hätte ohne Zweifel ihre Antriebe gerne studiert und selber nach-gebaut. Ins Forum und den Seiten von Jan sind seine Bauten noch zu finden, öfters in Proto:87 Maßstab.
Tramspotters
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Re: Douglas Southern Electric in 1/72- in progress

Beitrag von Tramspotters »

Tolle Arbeit, aber warum 1:75?
Tram_pur
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Re: Douglas Southern Electric in 1/72- in progress

Beitrag von Tram_pur »

Vielen Dank! Ja, ich habe in den letzten Jahren Werner Jurkowskis Beiträge verschlungen. Sie waren im Wortsinne begeisternd!
Ich bedaure es sehr, dass ich ihn nicht mehr persönlich kennenlernen durfte! Ohne seine Proto87 Anlage und seine tollen Lötkuenste hätte ich wohl nie hiermit angefangen...
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Tram_pur
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Re: Douglas Southern Electric in 1/72- in progress

Beitrag von Tram_pur »

Tramspotters hat geschrieben: So 13. Jun 2021, 14:27 Tolle Arbeit, aber warum 1:75?
Guten Tag Tramspotters,

siehe hierzu den Textabschnitt unmittelbar ueber den letzten Bildern. Das sind die Hauptgruende fuer mich. Es reizen mich am Strassenbahnmodellbau besonders das "schlanke" Rad-Schiene-System.
Besonders bei historischen Wagen fallen oft herrliche Speichen- oder Doppelspeichenräder ins Auge. Wenn ich da normale H0 Räder nähme, wuerde das die Optik in meinen Augen total ruinieren. Ich wäre auch gezwungen, die Masse des Trucks zu verändern, weil diese Räder ja viel(!) zu breit sind. Das wiederum zerstört die Verhältnisse des ganzen Modells!
Nun habe ich schon Unterflurantriebe, die jeden gewuenschten Achsstand zulassen, und toleriere dann falsche Proportionen und Fahreigenschaften ueber Weichen, die diesen Walzenrädern nun mal eigen sind?
(Ich habe da einen langen Leidensweg im Eisenbahnmodellbau hinter mir...)

Nein, Ziel ist es, eine von technischen Unzulänglichkeiten ungestörte Illusion vergangener Zeiten zu ermöglichen, vollständig in das Modell einzutauchen und beispielsweise eine Tramfahrt um 1910 mitzuerleben.

Das Ergebnis der langen modellbauerischen Muehen ist ein hohler Kasten (Tram), der ueber Gleise gleitet. Und danach fängt der kreative Modellbau mit kuenstlerischen Anspruch an (Anlage). DANN muss der Betrachter ins geradezu melancholische Schwärmen kommen während einer träumerischen Zeitreise, in der er sich ganz verliert und die Fahreigenschaften oder das Aussehen der Tram eben auf keinen Fall diese zerbrechliche Glueckseeligkeit stören duerfen!
Man muss geradezu traurig werden ueber die Unmöglichkeit, sich physisch in das Geschehen hineinzubegeben. So der heere Wunsch und die philosophische Ueberlegung dahinter.

Das geht fuer mich nur ueber Modelle, die in Aussehen und Fahreigenschaften den Vorbildern in nichts nachstehen.
Das betrifft natuerlich auch die Gleise, die sich in 1/72 sogar exakt massstäblich machen liessen, was in H0 schon nicht mehr geht- irgendwann sind die Grenzen der Materie erreicht.
Ich muesste also in 1/87 zu viele Kompromisse eingehen- besonders die Optik der Gleise betreffend. Aber ich hab es einige Jahre versucht, weil ich dachte, alles Weitere danach wuerde leichter...
(Siehe dazu meinen Beitrag zum Göteborg M5 Triebwagen in diesen Seiten.)

Eines Tages lachte mich so ein Doppelspeichenradsatz in H0pur an, ich nahm Mass und stellte fest, dass er in 1/72 meinem Tram-Vorbild entsprechen wuerde. Lange und viele Ueberlegungen später entschied ich mich, es zu wagen. Darueber gingen aber noch 2 Jahre ins Land...

Das Ganze ist allerdings nur etwas fuer Spezialisten und nichts fuer schwache Nerven, die das Bearbeiten der Räder schon mal kostet!
Ich werde noch dementsprechende Beiträge in diesem Forum veröffentlichen und genau beschreiben, nach welcher (selbst festgelegten) Norm ich fahre, was es mit der Radsatzherstellung und dem Getriebe- und Gleisbau auf sich hat!

Als Eindruck ueber Optik und Fahrverhalten hier zwei Filmchen, in denen ich an einem Dummy alles mal ausprobiert habe, ob es ueberhaupt geht, wie die Proportionen und ueberhaupt der Modelleindruck in 1/72 wäre usw. Siehe dazu die Erläuterungen zu den Filmen.

https://youtu.be/SMEG0Gl8SuA
https://youtu.be/eE2v8ljDOaU

Gruss aus Schweden,
Jan
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rdmodel
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Re: Douglas Southern Electric in 1/72- in progress

Beitrag von rdmodel »

Hallo Jan, wenn ich Deine Videos so anschaue, bin ich erstaunt über Deine Antriebe. Das scheint ja mal ein ganz anderer Ansatz zu sein. Kannst Du darüber etwas mehr berichten.

Mich würde beispielsweise sehr interessieren, was da für Motoren eingebaut sind. Hast Du nur eine Achse angetrieben und wie sieht die Stromabnahme aus?

Die Dinger scheinen ja super Fahreigenschaften zu haben - meinen Respect!

Viele Grüße, rdmodel - Ralf
Tram_pur
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Re: Douglas Southern Electric in 1/72- in progress

Beitrag von Tram_pur »

Hallo Ralf,

vielen Dank!
Ich verfolge Deine schönen Arbeiten schon seit Jahren, und kann den Respekt zurueckgeben! Es sind wirklich sehr sehr schöne Modelle. (Ich habe uebrigens mal in Dresden studiert...)

Ja, ich werde ausfuehrlich ueber meine Getriebe berichten, so dass keine Fragen offen bleiben sollten.

Sie fahren wirklich so, dass selbst dem kritischsten Betrachter keinerlei Wuensche offen bleiben. Ich habe auch mehrere Jahre gebraucht, bis ich zu den Antrieben der neuen Generation gekommen bin. Der casus knacksus ist natuerlich das Gegenlager der Achse, die auf das Kegelrad geht. Da dachte ich erst lange Zeit, das geht nicht. Aber ich habe eine Weile gerechnet und konstruiert- und es geht.

Hier nur in aller Kuerze: es ist ein Faulhaber 1506 verbaut, Zahnräder Modul 0.2, eine Achse ist ueber Kegelräder angetrieben, weil ich die Schneckengetriebe irgendwann umgehen wollte. So ist quasi jeder gewuenschte Radstand realisierbar, ohne das eigentliche Getriebe jedesmal neu machen zu muessen! Die grossen Zahnräder wirken durch die fehlende Selbsthemmung wie eine Schwungmasse.
Es sind auch alle relevanten Untersetzungen möglich, so dass ich hier wirklich so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau gefunden habe!

Naja ich uebertreibe ein bischen; bei Achsständen unter 1750mm muss ich umkonstruieren. Das geht entweder zu Lasten der Achsaufnahme fuer das Zwischenzahnrad in der Getriebeplatte (aber auch das habe ich schon- bei den alten Getrieben- so gemacht) oder ueber eine Blindwelle, auf die das Kegelrad geht und ueber die dann die Achse angetrieben wird. Das werde ich auch noch ausprobieren.

Andere Lösungen gibt es fuer 4-achsige Trambahnen oder Maximumgetriebe etc.

Wenn Du meinen Göteborg M5 Artikel vergleichst, da ist ein Bild eines Getriebes der älteren Generation noch ueber Schnecke und nicht sauber berechnet.
Auf meinem youtube-Kanal Tram pur findest Du Videos der neuen Generation, wie oben beschrieben. So einer läuft auch unter der Douglas Southern Electric dieses Beitrags.

https://youtu.be/E0Ei7davNzY
Dort findest Du auch antriebstechnische Kuriositäten wie das hier:
https://youtu.be/K6wTmgP5ByA

Den dortigen Beschreibungen kannst Du weitere Einzelheiten entnehmen.

Zurueck zu den Getrieben: Die zweite Achse ist pendelnd gelagert fuer eine bessere Stromabnahme. Diese gestaltet sich ganz normal ueber Neusilber- Federblechstreifen, die an die Hinterseite der Räder druecken - je nach Modell beide Seiten oder eine ueber Masse. Sie fahren dann digital und sind auch noch mit 1F gepuffert.

Gruesse aus Schweden,
Jan
Zuletzt geändert von Tram_pur am Mo 21. Jun 2021, 22:48, insgesamt 1-mal geändert.
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rdmodel
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Re: Douglas Southern Electric in 1/72- in progress

Beitrag von rdmodel »

Hallo Jan,

wie ich in Deinem M5 Projekt sehe, verfolgst Du generell die Linie Motoren stehend einzubauen, egal ob Schnecke oder Stirnradgetriebe. Ich hatte auch schon mal die Idee das so zu machen, bin aber immer wieder an den passenden, flachen Motoren gescheitert. Jetzt gibt es solche ja doch, obwohl mir der Preis für einen solchen Motor doch zu hoch ist. Ja solange die Chinesen die Faulhabermotoren nicht nachbauen und dann billiger anbieten wird das bei mir wohl nichts.

Eine andere Frage, Du verbaust Modul 0,2. Da muß man schon sehr präzise arbeiten. Bei Dir sehe ich fast nur Messing. Wie stellst Du die Getriebe her, damit hinterher auch alles paßt?

Auch die Frage, Stirnrad- oder Schneckengetriebe beschäftigt mich. So richtig klar ist mir noch nicht welches besser wäre. Die Selbsthemmung bei einem hoch übersetzten Stirnradgetriebe ist wahrscheinlich ähnlich, wie bei einem Schneckengetriebe.

viele Grüße Ralf - rdmodel
Zuletzt geändert von rdmodel am So 20. Jun 2021, 12:27, insgesamt 1-mal geändert.
niczano
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Re: Douglas Southern Electric in 1/72- in progress

Beitrag von niczano »

Jan Ihre Art, Messing zu bearbeiten, ist so sehr ein Kunstwerk, dass ich Ihnen einen extremen Rat gebe: Bemalen Sie Ihre Modelle nicht. Lassen Sie sie so, damit Sie die großartige Arbeit hinter ihnen schätzen können.
Ich wollte Ihnen eine Frage stellen: Welche Technik verwenden Sie für kleine Details, wie die Basis der Sitze oder die Kurbel des Controllers? Zu Hause, professionelle Fotogravur oder machen Sie alles mit einer Bügelsäge?

Niccolò
Tram_pur
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Re: Douglas Southern Electric in 1/72- in progress

Beitrag von Tram_pur »

Guten Tag Ralf,

zu den Getriebefragen: ich konstruiere erst auf dem Millimeterpapier 10 mal grösser, das ist hinreichend genau. Dann werden die Bohrungen auf Blech (frueher 0.5mm, bei den jetzigen Getrieben 0.3mm- weil es konstruktionsbedingt geht und ich weitere 2/10 an Höhe spare) uebertragen mit einer Reissnadel.
Jeder kennt den Satz "Wer misst misst Mist". So lege ich zur Sicherheit die ineinandergreifenden Zahnräder so ineinander, wie sie später greifen sollen und halte mein Stahllineal an die Bohrlöcher. So sehe ich- oder schätze ich per Augenmass den genauen Abstand. Beim Uebertragen per Reissnadel muss man dann halt "genau gleich genau schätzen". So kann man ueberpruefen, ob das Uebertragen von der Zeichnung richtig war. Das funktioniert immer bestens!
Da meist nur ein Stufenzahnrad verbaut wird, brauche ich also auch nur den genauen Abstand zweier Bohrungen, das macht die Sache recht einfach. Der Motor wird ganz zum Schluss unter diese Getriebeplatte sozusagen freihändig -beim Laufen in mittlerer Geschwindigkeit- geklebt. Hier entscheidet die Akustik, ob das Motorzahnrad richtig greift!
Das eigentlich Schwierige ist das genaue Einlöten der Lager, in denen die Zahnradwellen laufen. Hier muss alles stimmen. Viel Geduld braucht das Verputzen, eventuelles Aufahlen etc.

Möglichst alles ist gelötet, geschraubt oder auf Presssitz. Zahnräder auf keinen Fall auf ihrer Welle verkleben, sondern aufpressen. Wenn mal nicht möglich, dann löten. Aufpressen gilt auch fuer Räder, Kugellager etc., niemals kleben!
(Ich bin nicht ganz gluecklich mit meiner Motorklebelösung. Hier gehts leider wirklich nicht anders. Er ist aber leicht und flach und bietet eine gerade Klebefläche. Er wird mit Sekundenkleber fixiert und mit Epoxidharz gesichert. Er ist später abhebelbar, kann also ausgetauscht werden, wenn er einmal versagt, oder wiederbefestigt werden, wenn der Kleber versagt.)

Meine jetzigen Kegelradgetriebe rollen ohne Motor mit komplettem Getriebe eine geneigte Ebene herunter! Ich habe das selbst wegen der hohen Untersetzung und dem relativ geringen Gewicht nicht fuer möglich gehalten, werde aber demnächst das mal filmen. (Keine Selbsthemmung! Auch nicht bei 67/1)
Ich bevorzuge jetzt immer Getriebe ohne Selbsthemmung, weil sie geschmeidiger und meist leiser laufen. Das gilt aber nur fuer Strassenbahngetriebe, die so flach sein muessen. Ich habe ja keinen Platz fuer eine Schwungmasse, deshalb muessen die grossen Zahnräder hier diese Aufgabe uebernehmen. Wenn ich den Strom bei 12 V unterbreche, rollt der Truck noch 3-4 cm weiter. Nicht die Welt, macht sich aber im Fahrverhalten grundsätzlich bemerkbar.
Probiere ich das mit meinen alten Schneckengetrieben, bleibt der Truck abrupt stehen, die Gangart ist etwas härter. Schneckengetriebe sind aber einfacher und billiger (so ein Kegelradsatz Modul 0.2 kostet immerhin knapp 15 Euro), und beide Arten können höchsten Fahranspruechen genuegen.

Das Zusammenfuegen der Getriebeplatte und dem eigentlichen Rahmen:
Die Tramachsen laufen in einem zusammengelöteten Rahmen aus Messingprofilen. Auf die Achsen gepresste Kugellager gewährleisten Leichtlauf und Lagerung der Achsen fast OHNE Seitenspiel (die Pendelachse hat vllt 1 bis 2/10tel).
Jetzt KLEBE ich die Getriebeplatte mit Sekundenkleber auf den Rahmen. Erklärung: Die beiden Kegelzahnräder (eines von der Platte, das Andere auf der Achse) Modul 0.2 muessen sehr genau ineinander greifen. Wenn das richtig gemacht ist, bohre ich durch Getriebeplatte und Rahmen Löcher fuer die Schrauben, mit denen die Getriebeplatte später auf den Rahmen geschraubt wird. Es muss alles (oder fast alles) reversibel sein!
Jetzt wird die Platte vorsichtig vom Rahmen gelöst, Kleberreste entfernt, Motor unter die Getriebeplatte geklebt (hier geht es leider wirklich nicht anders), Getriebeplatte wieder an den Rahmen geschraubt. Jetzt sitzt sie genau und könnte jederzeit ausgetauscht werden. Funktionstest.
Ich muss endlich mal während des Bauens Fotos machen, damit diese Prozedur verständlicher wird.

Die Flachläufermotoren 1506 wurden 2006 fuer Fleischmanns BR 70 in 1/160 von Faulhaber konstruiert. Ja, mit ca.34 Euro sind sie zwar nicht so teuer wie andere Faulhaber, aber eben auch nicht ganz billig.

Gruss, Jan
Zuletzt geändert von Tram_pur am Sa 26. Jun 2021, 00:24, insgesamt 3-mal geändert.
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Tram_pur
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Re: Douglas Southern Electric in 1/72- in progress

Beitrag von Tram_pur »

niczano hat geschrieben: So 20. Jun 2021, 06:51 Jan Ihre Art, Messing zu bearbeiten, ist so sehr ein Kunstwerk, dass ich Ihnen einen extremen Rat gebe: Bemalen Sie Ihre Modelle nicht. Lassen Sie sie so, damit Sie die großartige Arbeit hinter ihnen schätzen können.
Ich wollte Ihnen eine Frage stellen: Welche Technik verwenden Sie für kleine Details, wie die Basis der Sitze oder die Kurbel des Controllers? Zu Hause, professionelle Fotogravur oder machen Sie alles mit einer Bügelsäge?

Niccolò
Guten Tag, Nic!
Danke fuer die Lorbeeren! Ja, ich verstehe, was Du meinst- mir gefallen nichtlackierte Messingmodelle auch wahnsinnig gut!
Und es wäre auch bequemer, nicht zu lackieren. Der Bau wäre einfacher, weil ich mir keinerlei Gedanken ueber Baugruppen etc. machen muesste. Siehe unten. Einfach alles zusammenlöten und fertig! Die Versuchung ist gross! Auch die fertigen Getriebe sind eigentlich so schön, dass man sie zeigen könnte, ohne sie unsichtbar ins Modell zu verbauen.
Tja, der Lohn aller Löterei ist letztlich ein hohler Kasten, der ueber Gleise gleitet.....
Ich habe auch trotz Erfahrung grossen Respekt vor der Lackierung. Kann ja einiges schiefgehen!
Aber ich hätte dann nie die Illusion einer echten Tram, in die ich einsteige und mitfahre! Und da will ich hin!


Zur Frage nach der Bautechnik: Du hast mit allem Recht. Das Meiste dieser Tram ist im totalen Selbstbau entstanden. Aber auch Ätzteile sind dabei, (bis auf die Dachsitze) selbst gezeichnet. Das mache ich- sehr zum Leidwesen der Ätzanstalt- tatsächlich noch ganz old-scool mit Tintenstiften 2 oder 4 mal grösser und gehe dann in den Copyshop.
Ätzteile sind die Vorder- und Rueckwand, die Fussbodenplatten und die Dachsitze (die sind ein engischer Bausatz von David Voice). Sie sind ein Zugeständnis, weil sie eigentlich nicht ganz dem Original entsprechen. Ich wollte urspruenglich garkeine Ätzteile selber machen, weil ich dafuer immer nach Berlin muss (in Schweden gibt es keine Copy-Shops). Aber manche Teile kann ich dann halt doch nicht so genau selbstbauen. Auch ueberlegt man sich zweimal, ob man jetzt mal schnell 16 Sitzbänke aus dem Vollen fräst. Als ich mich dann dafuer entschied, DOCH einen kleinen Ätzfilm zu machen, waren die gekauften Bausatz- Sitze schon aufs Dach gelötet.

Naja, aber alles Weitere ist totaler Selbstbau:

Der gesamte Tram-Unterboden mit Truck, alle Grundplatten und Dach, das "Gerippe", Kleinteile etc.
Die Trolley-Stange mit Mast allein besteht aus 39 Teilen, die alle selbst hergestellt wurden, auch die Federn sind selbst gedreht. Speziell dieser Teil ging schon an die Grenze meiner Lötkunst, weil ja auch alles funktionieren muss!
Da zeigten sich uebrigens auch die Grenzen des Machbaren: im Original waren auf jeder Seite 4 Federn zusammengefasst. Dafuer habe ich EINEN Quadratmillimeter Platz. Funktionieren muss es auch noch. Also Kompromiss: EINE Feder, Durchmesser 0.7mm. Beim Original muss man aber auch dreimal hingucken, eh man das sieht....

Feinteile sind entweder aus Rohmaterial gefeilt oder kommen- bearbeitet- aus der Ersatzteilkiste. So besteht eine Bremskurbel aus mehreren zusammengelöteten Teilen. Die Trichterkupplungen bestehen je aus 16 Teilen und sind theoretisch funktionstuechtig.
Die zusammengerollten Vorhänge an der Dachunterkante sind wirklich zusammengerollte 0.10" Blechfolie, die mit 0.1mm Neusilberstreifen "festgebunden"- also verlötet ist. Zwei Vorhänge auf der anderen Seite werden heruntergelassen dargestellt. Aber wie so Vieles geht das auch erst NACH der Lackierung.
Die Tram bekommt natuerlich Beleuchtung! Auch hier muss man gut planen!

Zum Ende hin werden ca. 600 Teile verbaut sein.

Urspruenglich- wie auf dem ersten Bild zu sehen- hatte ich auch die 10 Seitenplatten selbst gemacht. Sie entsprachen dann aber doch nicht mehr dem Niveau des Modells, so habe ich sie wieder entfernt und werde auch sie ätzen.
Das und noch einige wenige Kleinigkeiten werden verbaut, DANN kommt die Beleuchtung (das Verlegen der Drähte und der Lampen), DANN gehts an die Grundierung und die Lackierung. Dann kommt die Elektronik (Dekoder, Puffer-Elko, alle Anschluesse). Dann werden die letzten Teile verbaut (nach der Lackierung mit Epoxidharz verklebt- so beispielsweise die unteren Sitzbänke oder der Sichtschutz des Daches). Zum Schluss Hochzeit von Dach (Treppen) und Tram.

Tja, so der Plan. Jetzt muss ich erst wieder nach Berlin, bevor es weitergehen kann...

Viele Gruesse;
Jan
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Re: Douglas Southern Electric in 1/72- in progress

Beitrag von Tram_pur »

Hallo ins Forum,

fuer die Freunde des Strassenbahnmodellbaus ein aktuelleres Video.
Gestern war ich in Skjoldenaesholm, habe natuerlich wie immer viel vermessen und fotografiert und bin ausgiebig gefahren. Da konnte ich heute der Versuchung nicht widerstehen und bin mal im Keller verschwunden zum Spielen! Es gibt eigentlich nicht viel Neues zu sehen.... Die Tram fährt immer noch analog, aber in einem etwas fortgeschritteneren Bauzustand. Naja....Vielleicht freut es ja den einen oder anderen trotzdem!

https://youtu.be/f2dVkA98fs4

Es wuenscht ein schönes Wochenende

Jan
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Der Beweis- die geneigte Ebene

Beitrag von Tram_pur »

Guten Tag,

hier habe ich fuer die Freunde des gehobenen Funktionsmodellbaus eine kleine Neuigkeit. Es wird ein Drehgestellantrieb fuer ein Berliner Wagen Typ Brandenburg.
Achsstand 1.400mm (19,5), Untersetzung 50:1, beide Achsen sind angetrieben, Pendelachse, Kugellager, natuerlich wieder Unterflur-Kegelradgetriebe.
Diesmal ging es wirklich sehr sehr eng zu.

Ich stelle dieses hier ein, weil der Baustand fuer ein eigenes Thema "Brandenburg" doch zu mager ist- ich aber mal ein Filmchen zeigen wollte, welches eines meiner Getriebe noch ohne Motor zeigt, wie es eine geneigte Ebene herunterläuft.
Bisher bin ich den Beweis schuldig geblieben, hier bin ich sogar noch weiter gegangen, weil dieses Getriebe doch erheblich mehr Zahnräder als meine gewöhnlichen hat, und somit mehr Widerstand.
Auch dieses rollt also eine rutschige Pertinaxplatte hinunter, ohne Gewicht.

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https://youtu.be/n-iCHzmKFBQ

Räder noch provisorisch (Brandenburg hatte keine Doppelspeichenräder), sie kommen in einiger Zeit. Den Motor setze ich demnächst ein...

Gruss aus Schweden,
Jan
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Re: Douglas Southern Electric in 1/72- in progress

Beitrag von Tram_pur »

Guten Abend,

ich habe ganz vergessen, das fertig motorisierte Drehgestell hier einzustellen:
https://youtu.be/zq0d-xKgH-Y

Demnächst mehr!

Gruss aus dem dunklen Norden,
Jan
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Re: Douglas Southern Electric in 1/72- in progress

Beitrag von Tram_pur »

Guten Abend allseits,

es gibt- vorerst geringe- Baufortschritte. Aber: die neuen Ätzungen sind da mit Teilen fuer die Seitenverkleidung (hier auf den Bildern schon mal lose hingesetzt), Treppen usw.
Die typischen britischen Fischblasen-Räder sind schon fertig:
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Man sieht jedenfalls, wohin die Reise geht. So langsam hab ich Bammel vor dem Grundieren und der Lackierung!

Verschneite Gruesse aus dem kalten Schweden und allen frohe Weihnachten!

Jan
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