vor einer vorbildsnahen Anlage kommt zuerst der Gleisselbstbau ... mein Versuchsträger

Hier kann jeder seine Modellstraßenbahnanlage in Wort und Bild vorstellen.
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Funkenschrauber
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vor einer vorbildsnahen Anlage kommt zuerst der Gleisselbstbau ... mein Versuchsträger

Beitrag von Funkenschrauber »

Hallo in die Runde,

wenn man sich eine möglichst authentische vorbildsnahe Anlage bauen möchte, sollte man sich zu allererst mit der spezielleren Straßenbahnmaterie auseinander setzen.
Wenn man wie ich beim Vorbild seine Brötchen verdient, fällt das Vorbildsstudium zwar weg, aber das Modellstudium bleibt wegen der erheblichen Abweichung von der üblichen Modelleisenbahn, einem nicht erspart.

Den meisten von euch muß ich da nix erzählen, aber vielleicht liest der eine oder andere Interessierte "Neuling" hier mit, um schlauer zu werden ... :D :D

Für diese möchte ich an dieser Stelle den Rat geben, sich die leider nur noch antiquariatisch erhältlichen Bücher "Straßenbahn im Modell" von Matthias Vollstedt, im Alba-Verlag erschienen und "Die Modellbahnwerkstatt ... Straßenbahn im Modell" von Frank Muth, erschienen im transpress-Verlag, zuzulegen.

Im ersteren Buch fand ich sehr gut & verständlich den Modellbereich erläutert und im letzteren ist der Betriebsablauf vom Vorbild echt gut verständlich dargestellt.

Wenn man sich beide Bücher rein gezogen hat, hat man eine sehr gute Vorahnung, auf was man sich da einlässt & steht letztendlich vor den 4 großen Fragen, mit den man sich zwangsläufig auseinander setzen muß, wenn man am -ende Spaß statt Frust mit der Analge haben will.

Frage 1 ist relativ einfach ... welcher Maßstab soll´s werden?
Die meiste (Industrie-)Auswahl gibt´s in H0.

... zur Vereinfachung beziehen sich die weiteren Fragen inhaltlich auf den Maßstab H0 ...

Frage 2 dreht sich um das Rad- sowie Schienenprofil.
Ist man mit den handelsüblichen "NEM-Rädern" (wie sie z.B. Halling oder pmt verwendet) oder will man eher vorbildsgerechtere Räder mit kleinen Spurkranzhöhen (wie z.B. RP25)?
Direkt damit zusammen hängt die Frage nach dem Scheinenmaterial.
Vorbildsgerechte Rillenschienen verlangen mind. RP25-Räder ... sonst machen die Rillenschienen keinen großen Sinn & Freude ...
Eisenbahn(Vignol-)schienen gibt es in verschiedenen Höhen ... wer in Meterspur bauen will und auf Tillig-Gleismaterial zurückgreift, hat dann Code 75-Scheinen mit ca 2 mm Schienenhöhe in der Hand .. wem das bei der Handhabung zu klein ist, der kann auch Code 100-Schienen mit ca 2,5 mm Schienenhöhe verwenden. Mit diesem Schienenmaterial hat man den Vorteil, das man handelsübliche Modelle nach´m Kauf sofort auf´s Gleis stellen & losafhren kann (sofern man bei klassischem 2-Leiter-Schienen-System bleibt).

Frage 3 stellt einem vor die Frage nach dem minimalsten Radius in Kurven.
Denn beim Vorbild sind so manche Kurven echt eng ... und je enger Kurven auf einer Anlage ausfallen, umsomehr kann man Platz sparen.
Je enger der Kurvenradius wird, destso weniger kann man vorgefertigte gebogene Gleise nutzen.
Da sind wir dann schon beim Therma Gleisselbstbau ...
Im Allgmeinen haben sich im Maßstab H0 als Moindestradius 200 mm durchgesetzt, welche aber schon viele Modelle an ihre "Kotzgrenze" bringen.

Frage 4 ist die Gewissensfrage ... handelsübliche (echt lange) Eisenbahnweichen oder vorbildsgerechtere kürzere selbstgebaute Weichen mit an den Weichenzungen direkt anschließenden Kurven am abzweigenden Strang?


Für mich war Frage 1 schon entschieden, denn meine ersten "Industriemodelle" legte ich mir im Winter 1998 in Wien im Kundencenter der Wiener Linien zu ... also H0.

Frage 2 war nach dem Studium der beiden benannten Bücher auch relativ schnell entschieden ... NEM-Räder ... da muß ich nicht noch die handelsüblichen Antriebe umbauen und passend Vignolschienen Code 100 bzw 75.

Frage 3 wollt ich so richtig erst nach praktischen Test´s entscheiden ... ich wollt´s wirklich wissen, ob die 200 mm wirklich die unterste Grenze darstellen ...

Frage 4 war nach dem Kauf der ersten H0-Eisenbahnweiche entschieden ... für mich sehen die unter ner Modellstraßenbahn völlig unmöglich aus.


Und damit sind wir beim Thema Gleisselbstbau.
Ich entscheid für mich, mich in die Thematik auf einem Versuchsträger erst "reinzuarbeiten" und wenn das Ergebnis betriebstauglich ist, an einen Anlagenbau zu denken.
Denn nichts ist frustrierender, wenn für eine Anlage der Gleisplan steht, entsprechend die Gleise verlegt sind und immer wieder gerade im Bereich der Weichen & Gleiskreizungen alles "rausgeruppt" werden muß, weil´s nicht im Fahrbetrieb funktioniert ...

Also war damit die Idee zum Versuchsträger geboren, auf dem ich mich in der Thematik Weichen- & Gleiskreuzumgsselbstbau reinwurschteln & austoben kann. Zeitgleich soll er als "Probefahrstrecke" dienen.
Das heißt, die unmöglichsten Gleisfiguren, die man i.d.R. auf einer Anlage für einen stailen Aetriebsablauf nicht bauen würde, mußten abgebildet sein, die das Modell erfolgreich zu absolvieren hat, um sicher zu sein, das es auf einer "normalen" Anlage keine Probleme macht.

Ursprüngliche Idee war eine ins sich verschlungende 8 mit einen weiteren "Kleinen 8", die einen Zweirichtungsbetrieb ermöglicht.
Ich bin zwar H0-Straßenbahner aber ein "Spurweitenfetischisst".
Für mich kommt es nicht in Frage, das z.B. ein Leipziger Straßenbahnwagen auf dem selben Gleis fährt, wie einer von der Kirnitzschtalbahn ... es sei denn es ist ein 3-Schienengleis ... und damit sind wir bei der nächsten Herausforderung ... ich habe bis heute ganz wenige Anlagen mit 3-Schienengleisbetrieb gesehen.
Hat also kaum einer ... und darum will ich´s erst recht haben, um Modelle beider gängigen Spurweiten vorbildsgerecht fahren lassen zu können.

Genug des Textes ... hier das erste Bild ...
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Beim Bau der zentralen 3-Schienen-Gleiskreuzung zeigte sich doch, das der Zweirichtungsbetrieb eine Isolierung aller Herzstücke erfordert was echt echt fummelig wurde und bei der Verkabelung noch mehr Chaos als, unbedingt nötig, verursachen würde ...
Damit starb die Idee mit dem Zweirichtungsbetrieb und erklärte meinen Versuchsträger zum reinen Einrichtungsbetrieb. Die auf dem Bild erkennbaren inneren Verbindungskurven der "Kleinen 8" waren damit überflüssig geworden & auf dem rechten Anlagenteil wurde diese durch Umsetzung der Weiche und Einbau einer weiteren Gleiskreuzung, zum Abstellgleis umfunktioniert.

Den Versuchsträger hatte ich schon zu Beginn des Jahrtausends gebaut ... dann kam es, wie es so im Leben halt kommt ... nach der passenden Frau waren bald auch die passenden Kinder da und das Hobby Modellstrab mußte erstmal hinten sich anstellen & der Versuchträger verschwand für gut 20 Jahre im Keller ...

Nun sind die letzten Kinder auch groß genug, das wieder mehr "Luft" für´s Hobby da ist.
Also wurde vor gut 2 Jahren der Versuchsträger aus´m Keller wieder raus geholt & es war festzustellen, das wie beim Vorbild, bei der Gleisanlage einige Sanierungsarbeiten durchzuführen sind, wenn diese gut 20 Jahre nicht nennenswert gepflegt werden ...
Sch... Vorbildstreue! :lol: :lol: :lol:

Dabei wurde gleich im markierten linken Anlagenteil im inneren Gleis das Gleisbild abgeändert, weil ich damit nicht glücklich war.
Normalspurzüge kann ich auf dem rechten Anlagenteil zwischenparken ... Meterspurzüge aber nicht. Und das störte mich ... :mrgreen: :mrgreen:

Am Ende kam dann das raus ...
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Bei diesem Umbau konnte ich meine vor über 20 Jahren schon hart erarbeitete Weichenbautechnik, weiter verfeinern und teilweise erfolgreich abändern.


Auf diesem Foto kann man sehr gut an einer Stumpfweiche, dessen Weichenzungen irreperabel kaputt gingen & deshalb zu einer Gleiseinfädelung umgebaut wurde, das Herzstück erkennen, was damals mittels abgewinkelter Gleisstücke entstand und dabei mir sehr große Spurrillen entstanden.
... entsprechend poltern dann die Wagen darüber ...
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Heute baue ich das anders ... erst wird das Kurvengleis gelegt, dann wird der Schienenkopf am Schnittpunkt mit dem geraden Gleisstrang eingeschnitten und auf am geraden Schienenstück der Scheinenfuß ... dann das geradde Schienenstück einlegen, fest verlöten, Isolationsschnitte setzen und zuletzt die Rille rausgeflext, bis kein Rad bzw Modell mehr hängen bleibt.
So entstehen nicht mehr solch riesigen Rillen in den Herzstücken ...
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Hier noch ein Bild von meiner zentralen 3-Schiengleiskreuzung mit einer anschließenden Spitzweiche in alter Bauform, wo also die Spurrillen im Herzstück großzügig ausgefallen sind ...
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Zum Abschluß meines Beitragsmarathons noch ein paar Eckdaten ...

Der Versuchsträger besteht aus zwei 2 gleichgroßen Teilen (60x70 cm), die zum Transport getrennt werden können.
Es sind Gleise in den Spurweiten H0 & H0m drauf verbaut.
Kleinster Radius (inneres Kurvengleis) ca 19-20 cm.
Größter Radius (äußeres Kurvengleis) ca 25 cm.
Gleismittelabstand ca 4,5 - 5 cm.
Wegen der (noch) fehlenden Oberleitung ist der traditionelle 2-Leiter-Schienenbetrieb logisch ergebend.
Alle 3 Spitzweichen sind angetrieben, die 2 Stumpfweichen sind vorbildsgerecht antriebslos und werden von den Zügen aufgeschnitten.
Alle 3-Schienenweichen haben immer einen Abzweig in einer Spurweite.


Jetzt bin ich mal auf eure Meinung gespannt ...


Achso ... hier noch ein Bild von der Anlagenseite, die viel zu selten gezeigt wird ... :lol: :lol: :lol:


20260422_110907.jpg
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So, jetzt ist aber wirklich das Ende meines Beitrages gekommen ...


Micha
der Funkenschrauber in 1:87 & 1:1 ...
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Re: vor einer vorbildsnahen Anlage kommt zuerst der Gleisselbstbau ... mein Versuchsträger

Beitrag von Tramspotters »

Hi Micha,

das alles über den Unterleitungsbetrieb zu machen .... meine Fresse ... das würde ich nicht meinem Feind zumuten wollen ;-)

Nicht umsonst fahren sehr viele über Oberleitung, weil es die Verdrahtung des gesamten Unterbaus doch erheblich einfacher macht und du gerade bei Weichen und Herzstücken völlig schmerzfrei sein kannst.

Viel Erfolg beim Weiterbau.

Tschoe, Guido

P.S. bei mir fahren auch Normal- und Meterspur einträchtig nebeneinander.
Funkenschrauber
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Re: vor einer vorbildsnahen Anlage kommt zuerst der Gleisselbstbau ... mein Versuchsträger

Beitrag von Funkenschrauber »

Hallo Guido,

:lol: :lol: :lol:

ich hab es mir zugemutet.
Einfach kann ja jeder ... 8) 8)

Anfangs stand ich vor der Frage ... vorbildsgerecht über Oberleitung oder klassische Modellbahn mit 2-Leiter-Schiene ...
Ich hatte damals einen (hier sehr gut bekannten) Mentor, der mir zum Gleisselbstbau Mut machte, weil man damit durch die kürzeren Weichen- & Gleiskreuzungskonstruktionen ne Menge Platz sparen kann.
Ich hatte mir damals seine Anlage (mit vorbildlichen Oberleitungsbetrieb) auch sehr genau angeschaut und seinen Fahrbetrieb auf seiner Anlage mehrmals geniessen können.
Wenn mein damaliger Mentor es wünscht, darf er sich gern selbst outen ...

Trotz der Vorteile des Oberleitungsbetriebes hab ich mich bewusst dagegen entschieden, weil ich dann alle Handelsmodelle und Antriebe sofort verwenden / einsetzen kann.
Den Preis mit den dann notwendigen Isolationen der kurzschließenden Herzstücke bin ich bereit auf mich zu nehmen.

Als nächstes werd ich mich bald mit der Thematik Gleiseinpflasterung beschäftigen.
Will dazu verschiedene Methoden auf verschiedenen Gleisabschnitten ausprobieren.
Ist ja schließlich ein Versuchsträger ...


Das du auch eine Dreischienen-Anlage gebaut hast, hab ich auf´m Schirm ... doch leider viiiiieeeelll zu wenig Fotos von deinem Meisterstück bisher entdecken können ...
:cry:


Micha
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Re: vor einer vorbildsnahen Anlage kommt zuerst der Gleisselbstbau ... mein Versuchsträger

Beitrag von Tramspotters »

Danke danke!

Klar, man kann alles bauen, aber es ist ja auch immer die Frage, ob es sinnvoll und praktisch ist. Wie planst du zu fahren? Analog oder Digital? Im ersten Fall musst du ja auch Trennstellen berücksichtigen, wenn du Fahrzeuge abstellen willst.

Auf meinem Instagram Account gibt es einiges zu sehen, vor allem Videos.

Tschoe, Guido
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